Umfrage
Jeder Zweite irrt sich beim neuen Altersvorsorgedepot
27.10.2026 – 13:44 UhrLesedauer: 3 Min.
Steuererklärung, Zahnarzt, Keller aufräumen – all das erledigen viele Deutsche lieber, als über ihre Altersvorsorge zu reden. Eine neue Umfrage zeigt, was dieses Schweigen kostet.
Es gibt Aufgaben, um die man gern einen Bogen macht. Die Steuererklärung zum Beispiel. Oder den Termin beim Zahnarzt. Doch für viele Menschen in Deutschland gibt es etwas, das noch unangenehmer ist: ein konkretes Gespräch über die eigene Rente.
30 Prozent der Befragten einer neuen Umfrage von Fidelity International würden lieber ihre Steuererklärung machen, 28 Prozent lieber zur Vorsorgeuntersuchung gehen, 25 Prozent lieber zur Zahnkontrolle. 24 Prozent würden sich sogar eher den Keller oder den Dachboden vornehmen. Ganz oben auf der Liste der Ausweichmanöver steht der Papierkram: 38 Prozent sortieren lieber persönliche Unterlagen.
Umgekehrt gilt: Nur 19 Prozent würden das Rentengespräch vorziehen. Und fast jeder Fünfte – 18 Prozent – hat überhaupt noch nie über die eigene Altersvorsorge gesprochen.
Wer redet, weiß besser, wo er steht
Das Schweigen bleibt nicht ohne Folgen. Die Umfrage zeigt einen deutlichen Unterschied zwischen denen, die in den vergangenen zwölf Monaten ein konkretes Gespräch über ihre Altersvorsorge geführt haben, und allen anderen.
Finanziell gut vorbereitet fühlen sich demnach 46,5 Prozent derjenigen mit einem aktuellen Gespräch. Bei denen, deren letztes Gespräch zur Rente länger zurückliegt oder die noch nie darüber gesprochen haben, sind es nur 20,2 Prozent – weniger als halb so viele. Den nächsten sinnvollen Schritt für die Altersvorsorge kennen 74,1 Prozent mit Gespräch, aber nur 43,7 Prozent ohne. An wen sie sich wenden würden, wissen 76,9 Prozent mit Gespräch und 46,4 Prozent ohne. 76 Prozent derer, die über ihre Rente gesprochen haben, beschreiben das Gespräch im Rückblick als hilfreich.
Wichtig: Die Zahlen zeigen nur einen Zusammenhang, sie belegen keine Ursache. Es ist gut möglich, dass Menschen, die ohnehin solide vorgesorgt haben, leichter über das Thema sprechen – und nicht umgekehrt. Dass ein Gespräch Orientierung schafft, dürfte aber unbestritten sein.
Drei Fragen für den Anfang
„Altersvorsorge darf kein Thema sein, das wir so lange vor uns herschieben, bis es irgendwann zu spät ist“, sagt Susanna Wooders, Deutschlandchefin von Fidelity International. Der Einstieg sei einfacher, als viele denken. Beginnen könne man mit folgenden drei Fragen: Was habe ich im Alter voraussichtlich zur Verfügung? Wie viel werde ich brauchen? Und reicht meine bisherige Vorsorge dafür aus? Lesen Sie hier unsere Schritt-für-Schritt-Anleitung, mit der Sie Ihre Rentenlücke schließen.
Für die erste Frage brauchen Sie kein Beratungsgespräch. Die jährliche Renteninformation der Deutschen Rentenversicherung landet ohnehin im Briefkasten, und die Digitale Rentenübersicht bündelt gesetzliche, betriebliche und private Ansprüche an einer Stelle. Dafür müssen Sie sich allerdings erst anmelden. Wer eine Einordnung ohne Verkaufsinteresse sucht, findet sie bei den Verbraucherzentralen oder bei Honorarberatern, die nach Zeit und nicht nach Abschluss bezahlt werden.
Interessant ist, was Menschen überhaupt zum Reden bringt. Unter den Befragten, die schon einmal konkret über ihre Altersvorsorge gesprochen haben, war der häufigste Auslöser ein Brief: Die Renteninformation oder der Rentenbescheid gaben bei 24,8 Prozent den Anstoß. Bei 15,2 Prozent kam das Thema einfach so auf.














