Der Latte-Faktor
Kleine Beträge machen Mist – aber große machen das Vermögen
23.09.2026 – 07:05 UhrLesedauer: 3 Min.

Kleine Einsparungen sollen langfristig ein Vermögen schaffen – aber was, wenn diese Strategie mehr schadet als nützt? Warum der tägliche Kaffee nicht Ihr Problem ist.
Der Begriff „Latte-Faktor“ (engl. The Latte Factor) wurde von dem US-amerikanischen Finanzexperten und Bestsellerautor David Bach geprägt und populär gemacht. Er beschreibt, wie kleine, alltägliche Ausgaben – wie der tägliche Kaffee – sich über die Zeit summieren und verhindern können, dass man seine finanziellen Ziele erreicht.
Die Idee dahinter ist, dass man durch das Einsparen solcher scheinbar unbedeutenden Ausgaben jährlich erhebliche Beträge sparen und diese stattdessen für den Vermögensaufbau investieren könnte. Es ist eine Strategie, die vor allem Menschen ansprechen soll, die nach einfachen Lösungen für ihre finanziellen Herausforderungen suchen.
Doch das Einsparen kleiner Ausgaben und das Spiel mit der Hochrechnung auf Jahrzehnte hat nicht nur Fürsprecher. Hinter der scheinbar simplen Rechnung verbirgt sich eine Strategie, die nicht alle Finanzexperten überzeugt.
Was aus kleinen Einsparungen werden könnte
Ein typisches Rechenbeispiel für kleine alltägliche Ausgaben könnte so aussehen:
Angenommen, Sie kaufen jeden Tag einen Kaffee für 5 Euro. Wenn Sie diese Ausgabe stattdessen einsparen, ergibt sich folgende Rechnung:
- Tägliche Einsparung: 5 Euro
- Monatliche Einsparung: 5 Euro × 30 Tage = 150 Euro
- Jährliche Einsparung: 5 Euro × 365 Tage = 1.825 Euro
Wenn Sie diese eingesparten 1.825 Euro jährlich beispielsweise in einen ETF investieren, der eine durchschnittliche Rendite von 7 Prozent pro Jahr erzielt, könnte sich die Geldanlage über die Zeit wie folgt entwickeln:
| Zeitraum | Eingezahltes Kapital | Wert bei 7 % jährlicher Rendite |
|---|---|---|
| Nach 10 Jahren | 18.000 € | ca. 25.000 € |
| Nach 30 Jahren | 54.000 € | ca. 175.000 € |
| Nach 40 Jahren | 72.000 € | ca. 370.000 € |
Warum der Latte-Faktor in der Kritik steht
Zu den bekanntesten Kritikern des Konzepts gehört beispielsweise die US-amerikanische Finanzjournalistin, Kolumnistin und Buchautorin Helaine Olen. In einem ihrer Bücher widmet sie sich dem Thema und sagt: „The Latte is a Lie“, der Latte-Faktor ist eine Lüge.
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Zu den weiteren Kritikern gehören auch Sallie Krawcheck, ehemalige Chefin der Vermögensverwaltung Citi Wealth Management und eine der einflussreichsten Frauen an der Wall Street, der US-amerikanische Finanzunternehmer, Blogger und Bestsellerautor Ramit Sethi, sowie die US-amerikanische Finanzjournalistin und Buchautorin Beth Kobliner.
Die einheitliche Kritik am Konzept des Latte-Faktors lässt sich vereinfacht in vier Hauptpunkte unterteilen:
1. Ablenkung vom Wesentlichen
Der Latte-Faktor ist den Kritikern zufolge zwar als Strategie einfach und unmittelbar umsetzbar, richtet aber den Fokus auf kleine, unbedeutende Ausgaben, anstatt auf die größeren und entscheidenden finanziellen Hebel. Diese Fixierung vermittelt Beth Kobliner zufolge eine falsche Sicherheit über die eigene finanzielle Situation.














