Norwegens Kronprinz Haakon
„Fast eine Zumutung“
25.08.2026 – 14:43 UhrLesedauer: 5 Min.

König Harald V. kämpft mit einer Blutinfektion, sein Sohn übernimmt die Amtsgeschäfte. Experten erklären bei t-online, warum für Kronprinz Haakon die momentane Lage besonders schwierig ist – und was ihn trägt.
Es war eine Nachricht, die Norwegen aufhorchen ließ: Am Sonntagabend informierte der Palast, dass sich der Gesundheitszustand von König Harald V. am Wochenende verschlechtert habe. Der 89-Jährige wird wegen einer bakteriellen Infektion im Blut mit Antibiotika behandelt, sein Zustand gilt inzwischen als stabil. Seit dem 17. August liegt der Monarch im Osloer Nationalkrankenhaus, zuvor war er wochenlang mit Kortison gegen die Blutkrankheit hämolytische Anämie behandelt worden. Es ist nicht der erste Rückschlag: 2024 bekam der König nach einer Infektion in Malaysia einen Herzschrittmacher, im Februar wurde er auf Teneriffa behandelt. Nun ist die Krankschreibung verlängert, die Reise nach Trøndelag Anfang September tritt Königin Sonja allein an. Am Krankenbett wechseln sich die Familienmitglieder ab. Und die Amtsgeschäfte führt derweil Kronprinz Haakon – als Regent.
Für den Thronfolger kommt vieles zusammen. „Es ist fast eine Zumutung, was er meistern muss“, sagt ZDF-Adelsexpertin Julia Melchior im Gespräch mit t-online. Haakon sei belastbar und leistungsfähig – das zeige sich gerade darin, dass er „in einer hochkritischen Lage, sowohl für die Monarchie als auch für die Familie, mehr oder weniger alles allein schultern muss“.
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Regent aus Erfahrung
Es ist nicht das erste Mal, dass dem Kronprinzen diese Aufgabe zukommt. „Er ist seit vielen Jahren in der Verantwortung, weil er den König immer wieder, auch über längere Zeiträume, als Regent vertreten hat“, sagt Melchior. Auch die Umstrukturierung des Königshauses habe er verantwortet. In den Gesprächen mit seiner Schwester Märtha Louise über eine klare Trennlinie zwischen deren kommerziellen Aktivitäten und dem Königshaus sei er der Wortführer gewesen. Königshaus-Expertin Tove Taalesen vom norwegischen Portal „Nettavisen“ sieht das ähnlich: „Kronprinz Haakon ist sehr gut vorbereitet“, sagt sie zu t-online.

Melchior beschreibt den 53-Jährigen als Mann der Grenzerfahrungen. „Er ist wahnsinnig sportlich. Surfen, Skifahren, aber auch Extremsport. Er hat Grönland auf Skiern durchquert, zwei Wochen in Sturm und Eis, in Zelten“, sagt die Dokumentarfilmerin. Aus Haakons Umfeld höre sie zudem immer wieder, er sei „ein analytischer und kluger Kopf“. Doch sie erklärt auch: „Er hat selbst sehr lange mit seiner Rolle gehadert. Als Teenager, als junger Mann fiel es ihm schwer, seine Bestimmung zu akzeptieren.“ Und: „Er hat Zeit gebraucht, um zu erkennen, dass er seine Rolle als Plattform für seine Themen nutzen kann. Seit dieser Schalter umgelegt war, bringt er sich voll ein – in die Institution Königshaus und in die norwegische Gesellschaft.“














