USA als Vorbild
EU will wohl Zölle auf Stahl deutlich erhöhen
01.10.2025 – 12:24 UhrLesedauer: 2 Min.
Die EU-Kommission plant offenbar einen harten Kurs beim Stahlhandel. Ziel sei es, die europäische Industrie vor subventionierter Konkurrenz aus China zu schützen.
Die Europäische Kommission hat einem Insider zufolge geplant, die Importquoten für Stahl fast zu halbieren und die Zölle für darüber hinausgehende Mengen auf bis zu 50 Prozent zu erhöhen. Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete, solle das neue Schutzpaket für den Stahlsektor am 7. Oktober vorgestellt werden. Nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP habe Industriekommissar Stéphane Séjourné Vertretern von Unternehmen und Gewerkschaften in Brüssel zugesagt, die zollfreie Einfuhrmenge „nahezu zu halbieren“.
Damit würde die EU eine deutlich härtere Linie einschlagen als bisher. Bislang sind Stahlimporte bis zu einer bestimmten Menge pro Jahr zollfrei, darüber hinaus gilt ein Aufschlag von 25 Prozent. Dieser soll nun in ähnlicher Höhe steigen wie in den USA und Kanada, erklärten Teilnehmer der Brüsseler Sitzung nach AFP-Angaben.
Hintergrund der Pläne ist die massive Konkurrenz vor allem aus China. Hersteller dort können dank staatlicher Subventionen Stahl zu deutlich niedrigeren Preisen auf den europäischen Markt bringen. Die EU wirft Peking seit Langem Dumping-Preise und Überkapazitäten vor.
US-Präsident Donald Trump hat Strafzölle von 50 Prozent auf Stahl verhängt, die auch für europäische Exporte gelten. Kanada hatte im Sommer nachgezogen. Die EU begründet ihre Maßnahmen mit der Notwendigkeit, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen.
Laut AFP solle es sich bei den neuen Regeln nicht um ein befristetes Instrument handeln. Die bisherige EU-Obergrenze für zollfreie Stahlimporte stammt aus Trumps erster Amtszeit (2017-2021). Die Einfuhrmenge war in den vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht worden, sodass weniger Zölle fällig wurden. Im März hatte die Kommission die zollfreien Importe zwar wieder beschränkt, der Mechanismus läuft nach den Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) aber zum 1. Juli 2026 aus.
Die Kommission will ihre Pläne am kommenden Dienstag offiziell vorstellen. Anschließend müssten die 27 Mitgliedstaaten zustimmen.
