August 4, 2026 12:20 p.m. CEST

Prozess in Potsdam

Arzt soll beim Sterben geholfen haben – jetzt steht er vor Gericht

04.08.2026 – 10:33 UhrLesedauer: 1 Min.

Ein 77-jähriger ehemaliger Arzt steht vor dem Landgericht in Potsdam (Symbolbild): Er muss sich wegen Totschlags verantworten. (Quelle: Jens Kalaene/dpa/dpa-bilder)

Ein 77-jähriger Mediziner soll einer Frau 2021 beim Suizid geholfen haben. Nun muss ein Gericht Potsdam klären, ob die Frau ihren Sterbewunsch frei verantworten konnte.

Ein 77-jähriger Arzt muss sich vor dem Landgericht Potsdam wegen Totschlags verantworten. Er soll einer 39-jährigen Frau im Jahr 2021 einen Venenzugang für ein tödlich wirkendes Narkosemittel gelegt haben, woraufhin die Frau die Infusion selbst auslöste und starb. Das berichtet die Deutsche Presse-Agentur.

Laut Staatsanwaltschaft war der Frau die tödliche Wirkung des Mittels bekannt. Die Anklage wirft dem Arzt vor, dass die Frau zum Zeitpunkt des Suizids nicht in der Lage gewesen sei, ihren Sterbewunsch frei zu verantworten. Sie habe an einer neurokognitiven Störung mit wahnhaften Symptomen sowie einer erheblichen Beeinträchtigung der Realitätswahrnehmung gelitten.

Arzt will freigesprochen werden

Der Angeklagte war bereits 2024 vom Landgericht Berlin wegen Sterbehilfe zu drei Jahren Haft verurteilt worden. Vor dem Potsdamer Prozess äußerte er sich zu seinem damaligen Handeln. Aus der Situation heraus stehe er zu seiner Entscheidung, sagte er. Er habe gewollt, dass die Frau den Weg über eine Sterbehilfeorganisation gehe, doch ihre Not habe binnen kürzester Zeit stark zugenommen. Den Ausschlag habe schließlich eine Aussage der Frau gegeben: „Ich stand letzte Nacht wieder auf den Schienen“ zitiert der ehemalige Internist sie. Daraufhin habe er beschlossen: „Ich muss ihr jetzt helfen.“

Rückblickend würde er nicht mehr so handeln, sagte er. Mit einem Freispruch rechne er dennoch.

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