Doping-Wirbel um Owen Ansah
Bekommt er wirklich die härteste Strafe?
12.08.2026 – 18:18 UhrLesedauer: 4 Min.

Owen Ansah erregt bei der Leichtathletik-EM Aufsehen und holt eine Medaille für Deutschland. Dabei droht ihm eine drastische Sperre – wegen eines diskussionswürdigen Vorfalls. Es gibt ähnliche Fälle aus jüngster Vergangenheit.
Zumindest für einen Moment wollte Owen Ansah die Unsicherheit und den Wirbel um seine Person ausblenden. Und er schaffte es. Exakt 10,19 Sekunden lang.
„Ach, ich bin einfach nur glücklich. Ich bekomme unglaublich viel Zuspruch, auch aus Deutschland“, sagte der 25-Jährige kurz nach dem größten Erfolg seiner Karriere: Im Finale über 100 Meter bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Birmingham war er zur Bronzemedaille gesprintet. Und zeigte sich danach überglücklich: „Ich bin mega happy. Ich bin mit dem Ziel hergekommen, das 100-Meter-Finale mit einer Medaille zu verlassen. Am Ende kann ich mich riesig darüber freuen, dass ich Dritter geworden bin“, sagte Ansah zum Lauf in eben jenen 10,19 Sekunden. Nur die Briten Romell Glave (10,09) und Jeremiah Azu (10,16) waren schneller.
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Die Wahrheit ist aber auch: Natürlich wird es Ansah und den deutschen Sport umtreiben, wie es nun weitergeht. Denn es ist noch nicht einmal klar, ob der 1,91-Meter-Mann seine Medaille überhaupt behalten darf. Er verspüre „keine Angst“, dass er Bronze verlieren könnte, sagte Ansah zwar auch nach dem Rennen, erklärte: „Ich vertraue auf mein Team, das hinter mir steht. Ich kann das andere nicht beeinflussen.“ Und weiter: „Ich kann nur beeinflussen, wie schnell ich auf der Bahn bin. Und das habe ich heute gut gezeigt.“
Denn: Ansah startet bei dieser EM nur auf Bewährung, ihm droht eine vierjährige Sperre – und das ohne positive Dopingprobe. Laut Nationaler Anti-Doping-Agentur (Nada) soll er am 9. Juli die Abgabe einer Dopingprobe verweigert haben, lautet der Vorwurf der Agentur. Er selbst bestreitet das, beteuert, dass der Doping-Kontrolleur außerhalb des von ihm angegebenen Zeitfensters bei ihm vorstellig geworden sei, als er gerade unter Zeitdruck stand, einen Flug zum Leichtathletik-Meeting in Monaco zu erreichen. Außerdem habe er erst kurz zuvor die Toilette besucht. Der Fall wird aktuell vor dem Deutschen Sportschiedsgericht (DIS) in erster Instanz verhandelt.
Tennisstar wurde hart bestraft
Ähnlich gelagerte Fälle wie Ansahs gab und gibt es derzeit gleich mehrfach im Profisport. Bei einem namhaften Fall sind die Parallelen frappierend: Erst vor wenigen Wochen wurde die frühere Wimbledon-Siegerin Markéta Vondroušová für vier Jahre gesperrt, weil sie im Dezember 2025 einer Kontrolleurin den Zutritt zu ihrer Wohnung und damit auch die Abgabe einer Dopingprobe verweigerte. Vondroušová begründete den versäumten Dopingtest mit einer Angststörung. Doch dies war nach Einschätzung der zuständigen International Tennis Integrity Agency (ITIA) „keine überzeugende Rechtfertigung“.
