Was sah man, wenn man die Wahlsendungen der großen Sender schaute? Eine Glosse über zwei verstörende Beobachtungen und eine ungemütliche Einsicht.
Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Das Ergebnis steht fest: Die AfD hat abgeräumt, ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund ist der Gewinner. Er strahlte noch mehr als in den Wochen zuvor, als die Umfragewerte von Woche zu Woche stiegen. Die Verlierer: die Union und der Kanzler, der sich im Osten, wie man hörte, „gar nicht mehr blicken ließ“.
Interessant ist ein kurzer Rückblick auf die Berichterstattung der großen Sender. Sie sagt einiges aus über die Haltung, in der in Deutschland Aufklärung betrieben wird. Denn das ist ja der Auftrag des etablierten öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehens: ein demokratischer, sachlicher Informationslieferant zu sein.
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Offizieller Anlass, offizielle Garderobe
Der Look der Studiokulissen, aber auch von Moderatorinnen, Kommentatorinnen und Experten: einheitlich. Überall blau. Blaue Hintergründe, blaue Hightech-Wände für Einspielerfilme. Und blaue Garderobe: „Tagesschau“-Sprecher (blauer Anzug, weißes Hemd). ARD-Wahlsendung: beide Moderatoren: blauer Anzug, weiße Hemden. ZDF: Außenreporter und Interviewerin: blaue Sakkos, weißes Hemd. Kommentator für die Wahlprognose: blauer Anzug. RTL: Moderatorin im blauen Hosenanzug. Dazu zwei Wahlexperten: blaue Sakkos, weiße Hemden.

Die ins Studio gebetenen oder vor Ort interviewten Politiker und Politikerinnen: ebenfalls blau. AfD-Spitzenkandidat Siegmund im blauen Anzug und weißen Hemd. Unionspolitiker Philipp Amthor und CDU-Ministerpräsident Sven Schulze: beide blauer Anzug, weißes Hemd. AfD-Chefin Alice Weidel: blaue Kostümjacke, weißes Hemd. AfD-Chef Tino Chrupalla: blauer Anzug, weißes Hemd. Unions-Generalsekretärin Franziska Hoppermann: blaue Kostümjacke, weiße Bluse.
Man kann sagen: Das ist den ästhetischen Ansprüchen des Termins geschuldet. Offizieller Anlass, offizielle Garderobe. Und die ist nun mal nicht beige, grün oder rosafarben. Sondern gedeckt-dezent. Schwarz wäre Beerdigung. Deshalb blau. Aber dass Blau auch die Hausfarbe der Blauen, also der AfD ist, das ist den Programmmachern schon klar, oder? Dass so vom Look her alles verschwimmt und Siegmund im ARD-Studio aussieht wie ein zweiter Moderator, das ist schon ein bisschen merkwürdig, oder nicht?
Deutscher Zeitgeist mehr und mehr auf rechts geeicht
Und dass überhaupt keine Trennung zwischen berichtender und politischer Klasse besteht, also rein optisch, das darf einen auch ein bisschen verwundern. Frage: Kommt im Erscheinungsbild der Berichtenden womöglich ein halb bewusstes Wissen zum Ausdruck, dass die relevante politische Größe in diesem Land – und damit ist nicht nur Sachsen-Anhalt gemeint –, dass diese Größe die Rechten sind? Anders gefragt: Hat man sich bei den großen Sendern auf visueller Ebene bereits jenem Zeitgeist angeglichen, der in der Republik um sich greift? Der deutsche Zeitgeist ist mehr und mehr auf rechts geeicht. Die Wahl in Sachsen-Anhalt hat jeden Zweifel darüber ausgeräumt, dass es anders sei.














