Leser beurteilen das Gelingen der Einheit
„Das ist für mich nicht die Lösung“
Aktualisiert am 01.10.2025 – 18:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Vereint oder gespalten? Zum Tag der Deutschen Einheit verraten ostdeutsche t-online-Leser, wie sie zur Wiedervereinigung stehen.
Seit 1990 erinnert jährlich der 3. Oktober an die Wiedervereinigung des einst geteilten Deutschland. Nach dreieinhalb Jahrzehnten ist die Deutsche Einheit längst vollzogen und kein Thema mehr, oder etwa nicht? Angesichts des Wahlverhaltens stellen sich manche Bürger die Frage, wie geeint die Nation wirklich ist.
Zwei Brandenburger berichten von ihren Erfahrungen mit der Wende und wie sie das Wahlverhalten in Brandenburg einschätzen.
Monika Lehmann lebte bis zu ihrem 32. Lebensjahr in der DDR. Auch wenn sie beispielsweise mit dem Schulsystem zufrieden war, beschlich sie zunehmend das Gefühl der Unfreiheit, dass sie nicht reisen und nicht alles sagen durfte. „Ich fand das unglaublich schön, dass diese Diktatur dann ein Ende hatte“, kommentiert sie die Wende.
„Dass es kein leichtes Unterfangen wird, aus diesen zwei sich unterschiedlich entwickelt habenden Gesellschaften wieder ein vereintes Land zu machen, war mir klar“, sagt die heute 68-Jährige, die – im Gegensatz zu vielen ihrer Landsleute – nie um ihren Job bangen musste. „Für mich haben die Vorteile immer überwogen, und ich bin immer noch zufrieden, dass es genau so gekommen ist.“
Anfang der Neunzigerjahre überlegte Monika Lehmann, ob sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern es vielen anderen Ostdeutschen gleichtun und von Brandenburg in die alten Bundesländer wechseln sollte. „Wir hätten dort ein ganz neues Leben beginnen können und vielleicht viel bessere Bedingungen gehabt. Aber wir hatten hier die Familie und unsere Arbeitsplätze. Wir hatten hier eine Perspektive gesehen und wollten dann doch nicht irgendwo total neu anfangen. Also entschieden wir uns gegen den Wechsel.“
Die Strausbergerin wählte bei der Brandenburg-Wahl Ende September 2024 eine der etablierten Parteien. Sie sieht die Migration, die für viele Wähler ein zentrales Thema ist, auch problematisch, doch die AfD kam für sie deshalb nicht infrage. „Da ist die Unzufriedenheit so groß geworden, dass die Menschen jetzt radikal was anderes wollen. Aber für mich ist jetzt nicht die Lösung, rechtsextremistische Kräfte zu wählen.“
Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschen spürt die Rentnerin, die bis zu ihrer Rente als Sekretärin in der Energiewirtschaft tätig war, heute nicht mehr. „Anfangs war da vielleicht eine gewisse Skepsis, aber ich habe das eigentlich nie empfunden. Mit entsprechenden Gesprächen über all die Zeit hat man sich ausgetauscht und eine Basis gefunden. Meine Kinder haben in Süddeutschland studiert, und die sind da voll integriert. Da gibt es nicht mehr Ost und West. Irgendwann wird es gar keine Rolle mehr spielen.“














