Große Umfrage zum Bezahlen
Wero, digitaler Euro – wer braucht das schon? Fast niemand
20.10.2026 – 10:32 UhrLesedauer: 4 Min.
Europa baut sich eigene Bezahllösungen, um unabhängiger von den USA zu werden. Eine neue Umfrage zeigt: Die meisten Deutschen haben von diesen Projekten noch nie gehört.
Millionen Deutsche zahlen täglich mit Karte oder Smartphone, dennoch hält sich das Land selbst für einen Nachzügler beim digitalen Bezahlen. Ausgerechnet die beiden Projekte, die genau das ändern sollen – Wero und den digitalen Euro – kennt ein großer Teil der Bevölkerung kaum oder gar nicht. Das zeigt eine aktuelle, repräsentative Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach (IfD) im Auftrag der Initiative Deutsche Zahlungssysteme. Warum tut sich Deutschland mit seinen eigenen Hoffnungsträgern so schwer?
Zwei Hoffnungsträger, kaum bekannt
Mehr als zwei Jahre nach dem Start von Wero hat über die Hälfte der Befragten (55 Prozent) noch nie von dem System gehört. Von den übrigen 45 Prozent, die es kennen, hat gerade einmal jeder Zwanzigste (fünf Prozent) es bereits genutzt, weitere vier Prozent haben es zumindest freigeschaltet. Selbst unter den Wero-Kennern bleibt die Skepsis groß: 30 Prozent sagen, das System sei nichts für sie, nur 46 Prozent können sich eine Nutzung überhaupt vorstellen. Noch deutlicher wird die Zurückhaltung bei denjenigen, die zum ersten Mal von Wero hören: 61 Prozent lehnen eine Nutzung direkt ab, lediglich 13 Prozent zeigen Interesse. Besonders ablehnend äußern sich ältere Menschen – 80 Prozent der über 60-Jährigen, die Wero nicht kannten, erklären, es sei nichts für sie.
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Der digitale Euro ist zwar etwas bekannter – 54 Prozent der Befragten haben davon gehört. Das Wissen führt jedoch kaum zu Interesse. Nur sieben Prozent würden das Projekt der Europäischen Zentralbank wahrscheinlich nutzen, 23 Prozent können sich das zumindest vorstellen. Ein knappes Drittel (31 Prozent) schließt eine Nutzung dagegen komplett aus, jeder Fünfte (20 Prozent) ist unentschlossen.
Auch hier zeigt sich eine tiefe Generationenkluft: Von den 16- bis 29-Jährigen würden 17 Prozent den digitalen Euro wahrscheinlich nutzen – von den über 60-Jährigen nur zwei Prozent. Fast jeder Zweite in dieser Altersgruppe (47 Prozent) schließt die Nutzung von vornherein aus.

Wero-Gründer: EPI
European Payments Initiative (EPI) ist ein Zusammenschluss europäischer Banken und Finanzdienstleister mit Sitz in Brüssel, der eine einheitliche und unabhängige Bezahl- und Wallet-Lösung für Europa aufbaut.
Warum sich die Deutschen so schwertun
Zu den Gründen für die Zurückhaltung gegenüber den neuen Bezahllösungen könnten unter anderem drei Faktoren zählen.
- Fehlende Bekanntheit: Wer ein Produkt nicht kennt, kann sich auch keine Meinung dazu bilden und tendiert dann eher zur Ablehnung. Das wird an den 61 Prozent deutlich, die eine Nutzung ablehnen, sobald sie zum ersten Mal von Wero hören.
- Die Generationenfrage: Jüngere Befragte zeigen sich deutlich aufgeschlossener gegenüber digitalen Neuerungen als ältere. Bei beiden Systemen – Wero wie digitalem Euro – ist die Ablehnung unter den über 60-Jährigen besonders ausgeprägt.
- Die Treue zum Bewährten: 98 Prozent der Bevölkerung ab 16 Jahren besitzen laut Studie eine Girocard oder eine andere Debitkarte – nahezu lückenlos über alle Einkommens- und Altersgruppen hinweg. Auch beim mobilen Bezahlen dominiert die Girocard: Drei Viertel (74 Prozent) derjenigen, die bereits mit Smartphone oder Smartwatch gezahlt haben, haben ihre Girocard hinterlegt. Wer seit Jahren so bezahlt, sieht kaum Bedarf für eine neue Lösung.













