September 3, 2026 1:19 p.m. CEST

Als technologische Sackgasse erwies sich auch der Fernsehstandard D2-MAC, der 1985 auf der Ifa in Berlin der Öffentlichkeit und dem Fachpublikum präsentiert wurde. Die europäische Fernsehnorm sollte ab Ende der 1980er Jahre analoges Breitbild im Kino-Format 16:9 salonfähig machen – ein milliardenschweres Prestigeprojekt. Doch während Brüssel noch Zwischenstandards debattierte, überholte die digitale Kompression das System links.

Olympia und Fußball-EM können D2-MAC nicht retten

Die Olympischen Sommerspiele in Barcelona 1992 und die Fußball-Europameisterschaft 1992 in Schweden wurden noch als internationales Schaufenster für die MAC-Technologie inszeniert. Doch der Siegeslauf des digitalen Fernsehens für Satellit, Kabel und terrestrische Antenne konnte auch von D2-MAC-Industriegrößen wie Philips, Thompson und Grundig nicht gestoppt werden.

Auf vier Kanälen der Zeit voraus

Während D2-MAC gegen überlegene Technik den Kürzeren zog, waren manche Konzepte, die auf der Ifa präsentiert wurden, einfach ihrer Zeit voraus. Dazu gehört die Quadrophonie: Fast die gesamte HiFi-Industrie versuchte auf der Ifa 1973 das Publikum davon zu überzeugen, dass das Stereo-Zeitalter durch eine Ära des Raumklangs abgelöst werden soll. Vier getrennte Kanäle versprachen den echten Rundum-Klang.

Die Idee war richtig – Raumklang ist heute Standard. Doch Anfang der Siebzigerjahre bedeutete das: vier gigantische Lautsprecher im engen Wohnzimmer, unübersichtliche Formate und immense Kosten. Das Publikum streikte und blieb bei zwei Boxen. Heutzutage gelangt der Raumklang als „Spatial Audio“ über Kopfhörer auf die Ohren der Musikliebhaber.

Ein 3D-Kino-Erfolg führt die Branche in die Irre

Vier Jahrzehnte später erlebte die Branche ihr Déjà-vu mit dem 3D-Fernsehen. Angefeuert vom Kinoerfolg Avatar rief die Ifa 2010 das stereoskopische Zeitalter aus. Kein Stand ohne Shutter-Brillen, kein Prospekt ohne Tiefenwirkung. Doch für den Feierabend auf der Couch erwies sich das Konzept als Zumutung: flackernde Plastikbrillen, Kopfschmerzen und chronischer Mangel an Sendungen. Nach wenigen Jahren strichen die Hersteller die 3D-Monitore klammheimlich aus dem Programm.

Besucher der Ifa 2010 tragen 3D-Brillen. (Quelle: Wolfgang Kumm)

Noch kürzer währte das Gastspiel der Curved TVs. 2013 und 2014 bogen die Konzerne ihre Bildschirme im Halbkreis, um ein immersives Kinogefühl zu simulieren. Das Problem: Der Effekt funktionierte exakt an einem einzigen Punkt – genau mittig vor dem Gerät. Wer auf dem Sofa danebensaß, sah ein verzerrtes Bild. Zudem sahen die gebogenen Riesen an der Wand deplatziert aus. Die Ifa hatte eine spektakuläre Lösung für ein Problem präsentiert, das nie existiert hatte.

Silberscheiben-Flops

Während der ein oder andere gebogene Bildschirm bis heute ein Wohnzimmer prägt, kann sich an das Multimedia-System CD-i (Compact Disc Interactive) von Philips (1991) kaum noch jemand erinnern. Als interaktive Schnittstelle für Spiele, Filme und Enzyklopädien auf dem Fernseher nahm das System das moderne Multimedia-Zeitalter vorweg. Doch die Hardware war zu schwach, die Software zu sperrig. Der PC und die ersten echten 3D-Konsolen übernahmen den Job.

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