Forscher finden neue Aspekte
So alt kann ein Mensch werden
13.09.2025 – 08:00 UhrLesedauer: 4 Min.
Im Jahr 2022 lebten in Deutschland über 16.800 Menschen im Alter von über 100 Jahren. Immer wieder finden Forscher neue Aspekte, die ein so langes Leben möglich machen.
Centenarians werden Menschen genannt, die über 100 Jahre alt sind. Und immer wieder betont die Wissenschaft, dass sich der Lebenswandel von vielen dieser sehr alten Menschen ähnelt. Ihre Ernährung ist meist pflanzenbasiert, was das Risiko für klassische Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Außerdem sind die Hundertjährigen oft sehr gut sozial integriert, kommunikativ und emotional stabil.
Bereits 2021 kamen internationale Forscher zu dem Ergebnis, dass die theoretische Altersobergrenze des menschlichen Körpers bei etwa 120 bis 150 Jahren liegt. Dies hatten Bluttests und die Analyse von Bewegungsdaten ergeben. Nach den Berechnungen verliert der Körper zunehmend die Fähigkeit, sich von Belastungen zu erholen.
Umso besser also, wenn man gar nicht oder erst sehr spät im Leben krank wird. Davon berichteten schwedische Forscher. In ihre Studie waren 170.000 Menschen einbezogen worden, die zwischen 1912 und 1922 geboren wurden. Sie wurden über 40 Jahre beobachtet, ab dem 60. Lebensjahr – entweder bis zu ihrem Tod oder bis zum 100. Lebensjahr.
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Das fanden die Forscher heraus
Berechnet wurde das Risiko jedes Teilnehmenden für Schlaganfall, Herzinfarkt, Hüftfraktur und verschiedene Krebsarten. Die Teilnehmenden wurden mit den Menschen verglichen, die das Alter von 100 Jahren erreichten.
Das Ergebnis: Hundertjährige erkrankten nicht nur in der späten Lebensmitte weniger an Krankheiten, die Krankheitsraten fielen auch im Laufe ihres gesamten Lebens geringer aus. So erklärt Karin Modig vom Karolinska Institut: „Beispielsweise hatten nur vier Prozent der Hundertjährigen im Alter von 85 Jahren einen Schlaganfall erlitten. Im Vergleich dazu hatten etwa 10 Prozent der Fast-Hundertjährigen – also im Alter von 90 bis 99 Jahren – im Alter von 85 Jahren einen Schlaganfall erlitten.“
Der Verdacht: Hundertjährige sind in der Lage, schwere Erkrankungen hinauszögern oder sie sogar ganz zu vermeiden.
Dies zeigt sich auch in einer weiteren Studie: Von den 274.108 Teilnehmern (zwischen 1920 und 1922 geboren) erreichten nur 4.330 Menschen ihr 100. Lebensjahr (1,5 Prozent der Teilnehmer). Neben der Erkenntnis, dass sie Krankheiten später entwickeln, zeigte sich auch, dass diese eher einzelne Organsysteme betrafen. Krankheiten, die sich hier zeigen, sind deutlich besser zu behandeln. Und auch neuropsychiatrische Erkrankungen wie Depressionen und Demenz tauchen über das ganze Leben betrachtet seltener auf.
Die Forscher wollen nun herausfinden, welche Faktoren – die Gene, der Lebensstil, die Umwelt oder eine Kombination daraus – zu dem Erfolgsgeheimnis der Hundertjährigen beitragen.
Genetik scheint dabei keine überproportionale Rolle zu spielen. Das erklärt der Alternsforscher Karl Lenhard Rudolph im Gespräch mit t-online. Er sagt: „Was wir wissen, ist, dass nur 15 Prozent des Lebensalters von den Genen abhängig sind.“ Wie alt ein Mensch werden kann, sei stark abhängig davon, wie ein Mensch sich in seinem Leben verhalte. „Es gibt eine enorme Lebensspanne, die einen sterben schon mit 40, die anderen mit 117“, so Rudolph.














