Hinrichtung von Christa Pike
Todesstrafe – hinter den Kulissen tobt der Kampf ums Gift
Aktualisiert am 02.10.2026 – 09:11 UhrLesedauer: 4 Min.
Die Hinrichtung von Christa Pike ist trotz zweier Versuche gescheitert. In den USA ist das längst kein Einzelfall.
David Schafbuch berichtet aus New York
Zwei Injektionen hatten bei Christa Pike nicht ausgereicht. „Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen. Eine Stelle pocht wirklich stark“, soll die verurteilte Mörderin am Mittwochabend laut einem Augenzeugen gesagt haben. Die wegen Mordes zum Tode verurteilte Pike sollte in Nashville im US-Bundesstaat Tennessee durch die Giftspritze sterben. Doch nachdem die Strafe auch nach fast eineinhalb Stunden nicht vollstreckt werden konnte, wurde Pike wieder aus der Hinrichtungskammer gebracht.
Nach der gescheiterten Hinrichtung wird die 50-Jährige in einem Krankenhaus behandelt – und das Entsetzen ist in den USA groß. Robin Maher, geschäftsführende Direktorin der gemeinnützigen Organisation Death Penalty Information Center (DPI), sprach von dem „schlimmsten Ereignis“, das die Organisation je verfolgt habe. Für das, was in Tennessee geschehen sei, gebe es bislang „keinen Präzedenzfall“.
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Die Giftspritze ist heute die gängigste Variante, mit der die Todesstrafe in den USA vollstreckt wird. Eingeführt wurde sie einst, weil sie als „humane“ Variante für die Tötung von Schwerverbrechern galt. Doch nicht nur der Fall Christa Pike zeigt, dass sie häufig scheitert – und die Verurteilten noch zusätzlich quält.
Generell ist die Todesstrafe in den USA zum größten Teil Sache der einzelnen Bundesstaaten. Aktuell wird sie in 27 Staaten vollstreckt. In allen ist die Giftspritze die am häufigsten genutzte Methode. Andere Varianten wie der elektrische Stuhl, die Gaskammer oder der Tod durch eine Schusswaffe kommen in einzelnen Bundesstaaten allerdings bis heute zur Anwendung.
Die Giftspritze wird in den USA seit 1982 eingesetzt. Der damalige kalifornische Gouverneur Ronald Reagan hatte sich bereits in den Siebzigern für die Methode ausgesprochen. Reagan hatte dabei den Vergleich zum Einschläfern bei Tieren gezogen und die Frage aufgeworfen, ob die Giftspritze nicht eine „humanere“ Variante sei, die Todesstrafe zu vollstrecken.
Mediziner verweigern Einsatz
Tatsächlich zeigt sich in der Praxis, dass die Giftspritze die Methode mit der höchsten Fehlerquote bei der Anwendung der Todesstrafe ist. Der US-Politikwissenschaftler Austin Sarat hatte 2014 Hinrichtungen in den USA zwischen 1890 und 2010 untersucht. Dabei wies die Giftspritze im Vergleich zu anderen Methoden mit mehr als sieben Prozent die höchste Fehlerquote auf. In Tennessee, wo Pike hingerichtet werden sollte, verlief von drei Hinrichtungsversuchen in diesem Jahr in diesem Jahr lediglich eine ohne einen vergleichbaren Zwischenfall.
Für das Scheitern gibt es mehrere Gründe: Die Gefängnisanstalten haben unter anderem häufig Probleme, medizinisches Personal für die Hinrichtungen zu finden. Denn ausgebildete Ärzte oder Krankenpfleger verweigern häufig die Durchführung der Todesstrafe. Das hat zur Folge, dass viele Todesstrafen von Menschen vollstreckt werden, die wenig oder gar keine medizinische Erfahrung haben.














