Hilft auch Älteren
Medikament verringert Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle deutlich
02.09.2026 – 16:15 UhrLesedauer: 3 Min.

Statine sollen vor Herzinfarkt und Schlaganfall schützen. Eine große Studie zeigt nun: Auch bei einer bislang wenig untersuchten Gruppe können die Cholesterinsenker das Risiko deutlich reduzieren.
Statine gehören zu den meistverordneten Medikamenten in Deutschland. Ärzte setzen sie vor allem bei erhöhten Cholesterinwerten ein, um das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Besonders gut belegt ist ihr Nutzen bei Menschen, die bereits einen Herzinfarkt oder eine andere Gefäßerkrankung hatten.
Doch wie sieht es bei gesunden Menschen jenseits der 70 aus? Gerade für ältere Menschen ohne bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung fehlten bislang aussagekräftige Daten. Erst kürzlich stellte eine Studie die Behandlung mit Cholesterinsenkern im Alter infrage. Mehrere Experten warnen jedoch eindringlich vor Fehlschlüssen aus dieser Studie. Eine im „New England Journal of Medicine“ veröffentlichte neue Studie liefert nun ein gegenteiliges Ergebnis und bestätigt den großen Nutzen von Cholesterinsenkern in dieser Altersgruppe.
So wirken Statine
Statine hemmen in der Leber ein Enzym, das an der Cholesterinproduktion beteiligt ist. Dadurch sinkt der LDL-Cholesterinspiegel. Dieses „schlechte“ Cholesterin kann sich in Gefäßwänden ablagern und eine Atherosklerose begünstigen – eine Versteifung und Verengung der Arterien, die Herzinfarkte und Schlaganfälle verursachen kann.
Fast 10.000 Menschen nahmen an Studie teil
An der Studie nahmen 9.971 Menschen ab 70 Jahren aus Australien teil. Ihr Durchschnittsalter lag bei 74,7 Jahren, rund 52 Prozent waren Frauen. Keiner der Teilnehmer hatte zu Beginn eine bekannte Herz-Kreislauf-Erkrankung, Diabetes oder Demenz. Die Forscher teilten sie nach dem Zufallsprinzip in zwei Gruppen ein. Eine Gruppe nahm täglich 40 Milligramm des Statins Atorvastatin ein, die andere ein wirkstofffreies Placebo.
Nach einer Beobachtungszeit von knapp sechs Jahren zeigte sich ein deutlicher Unterschied: In der Atorvastatin-Gruppe erlitten 6,0 Prozent ein schwerwiegendes Herz-Kreislauf-Ereignis, in der Placebo-Gruppe waren es 8,3 Prozent. Damit sank das relative Risiko um 30 Prozent. Gemeint sind damit Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Herzinfarkte, Schlaganfälle und notwendige Eingriffe an den Herzkranzgefäßen.
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Sophia Zoungas, Studienautorin und Professorin an der Monash University School of Public Health and Preventive Medicine, erklärt in einer Pressemitteilung: „Das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle bereitet vielen älteren Menschen Sorge; zu wissen, dass es eine wirksame Maßnahme gibt, dieses Risiko zu senken, wird für sie und ihre Familien eine große Beruhigung sein.“
Statine schützen nicht vor allen Altersfolgen
Die Forscher untersuchten außerdem, ob Atorvastatin die Lebenszeit ohne Demenz und ohne dauerhafte körperliche Einschränkungen verlängert. Hier fanden sie keinen statistisch bedeutsamen Vorteil.
In der Atorvastatin-Gruppe lag das Risiko, an anderen Ursachen zu sterben, eine Demenz zu entwickeln oder anhaltende körperliche Einschränkungen zu erleiden, bei 12,8 Prozent. In der Placebo-Gruppe waren es 13,6 Prozent. Das Statin senkte somit lediglich das Risiko für schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse.
Bekannte Nebenwirkungen traten auf
Einige Nebenwirkungen traten in der Atorvastatin-Gruppe allerdings häufiger auf: Muskelbeschwerden sowie Veränderungen der Leberwerte und des Blutzuckers kamen unter Atorvastatin öfter vor. Solche möglichen Nebenwirkungen von Statinen sind bekannt. Nach Angaben der Deutschen Herzstiftung können die Medikamente etwa die Verarbeitung von Zucker leicht verschlechtern, vor allem bei Menschen mit einer Vorstufe von Diabetes. Muskelbeschwerden gehören ebenfalls zu den häufig genannten Begleiterscheinungen. Allerdings lassen sie sich laut Herzstiftung in bis zu 90 Prozent der Fälle nicht direkt auf das Medikament zurückführen.















