Deschamps wollte den Angreifer nicht nur für seine Saison- und Trainingsleistungen belohnen. Mateta soll ein gutes Gefühl bekommen, immer wieder WM-Luft schnuppern und sich als wichtiger Bestandteil des Teams fühlen.
Wird er in einem entscheidenden Moment wie dem Halbfinale gebraucht, weil Frankreich unbedingt ein Tor benötigt, soll er nicht von der Stimmung, dem Druck, dem stumpfen Rasen oder der Hitze gelähmt werden. Fußball auf diesem Spitzenniveau ist eben auch Kopfsache.
Deschamps ist damit schon jetzt Weltmeister im Hinblick auf Menschenführung: „Ich bin stolz, dieses Team zu haben“, sagte er vor dem Spiel in Dallas. Der Coach bezog dabei bewusst alle mit ein: ob Spieler, Assistenten oder Betreuer. „Alle kämpfen für die Gruppe“, so Deschamps.
WM-Halbfinale: Frankreich kann Spielstil komplett verändern
Mateta bringt dabei ganz gravierende Änderungen im französischen Spiel. Er ist 1,92 Meter groß und wiegt 88 Kilogramm. Damit ist er der komplette Gegenentwurf des französischen Offensivspiels – eher Typ Bulldozer als filigraner Techniker. Der 29-Jährige erzielte in der abgelaufenen Saison zwölf Saisontore für Crystal Palace in der Premier League und den Siegtreffer im Finale der Conference League.
Besonders wichtig für das französische Spiel macht ihn seine Positionierung: Laut dem Datenanbieter „one-versus-one“ befindet sich seine durchschnittliche Position im gegnerischen Strafraum zwischen Elfmeterpunkt und Fünfmeterraum. Damit stellt er die gegnerische Defensive vor ganz neue Probleme.
Denn bisher ist das Spiel der Franzosen eigentlich einfach zu beschreiben. Kylian Mbappé hält sich häufig an der Strafraumkante auf. Er sucht beständig die Kombinationen und Positionswechsel mit seinen Teamkollegen und nutzt jedes Schussfenster gnadenlos. Drei seiner bisher acht Tore im Wettbewerb erzielte er mit Schüssen außerhalb des Strafraums oder von der Strafraumkante.
Mateta hingegen liebt die physischen Duelle im Sechzehnmeterraum. Es war bei seinen bisherigen Kurzeinsätzen auch schnell zu sehen, wie das Spiel Frankreichs im Anschluss deutlich mehr auf hohe Flanken ausgerichtet wurde. Ein Stilmittel in der Offensive, das sie sonst völlig vernachlässigen.
Zudem bringt seine Positionierung noch einen weiteren Vorteil für seine Teamkollegen. Durch Mateta müssen sich die gegnerischen Verteidiger automatisch tiefer fallen lassen und näher zum eigenen Tor orientieren. Somit entsteht wieder mehr Platz zwischen den Abwehrspielern. Vor allem auf den Außenbahnen kann nicht mehr so schnell unterstützt werden, wodurch Frankreich seine eigentliche Stärke in den Eins-gegen-Eins-Duellen ausspielen kann.













