Rekord-Cyberangriff
„Ein Banküberfall mit Internetgeschwindigkeit“
Aktualisiert am 02.11.2026 – 14:56 UhrLesedauer: 3 Min.
Nordkoreanische Hacker haben bei der Krypto-Börse Binance Milliarden erbeutet. Nun ziehen verunsicherte Anleger ihr Geld in Scharen ab.
Nach dem wohl größten Diebstahl der Geschichte kehren Anleger der Handelsplattform Binance in Scharen den Rücken. Kunden hätten nach der Wiederaufnahme von Auszahlungen 3,64 Milliarden Dollar abgezogen, teilte das Unternehmen am Montag mit. Dies entspreche 2,1 Prozent des verwalteten Vermögens. Inzwischen stabilisiere sich die Lage wieder.
Die „Financial Times“ bezifferte die Abflüsse unter Berufung auf Daten der Analyseplattform DefiLlama auf fünf Milliarden Dollar. Binance zufolge hatten Kunden zunächst 4,6 Milliarden Dollar abgezogen, mittlerweile sei aber rund eine Milliarde Dollar wieder zurückgeflossen. Der Cyberangriff habe zwar keine Panikreaktionen ausgelöst, sagte Tim Sung, Forscher des auf digitale Vermögenswerte spezialisierten Finanzdienstleisters HashKey. „Der Schaden für das Investorenvertrauen dürfte jedoch weit über die gestohlenen Vermögenswerte hinausreichen.“
Sicherheitsbedenken dürften bei Anlageentscheidungen eine weitaus größere Rolle spielen. Experten zufolge könnten institutionelle Investoren zögerlicher agieren und damit den erhofften Kapitalzufluss in den Kryptomarkt bremsen.
Krypto-Markt in Aufruhr nach Diebstahl aus Nordkorea
Ende vergangener Woche hatten sich Kriminelle Zugriff auf die IT-Systeme von Binance verschafft und binnen Minuten Kryptowährungen im Gesamtwert von 6,3 Milliarden Dollar transferiert. Die US-Bundespolizei FBI und private Analysefirmen machten staatlich gelenkte Hacker aus Nordkorea für den Angriff verantwortlich. Daraufhin gingen die Kurse zahlreicher Kryptowährungen auf Talfahrt. Börsennotierte Bitcoin-Fonds verloren der Analysefirma TRM Labs zufolge am Freitag insgesamt 643 Millionen Dollar an Börsenwert.
Darüber hinaus seien Derivategeschäfte über 1,3 Milliarden Dollar aufgelöst worden. Die sinkende Gesamt-Marktkapitalisierung der Stablecoins, deren Kurs meist an eine bestimmte Währung gekoppelt ist, deutet darauf hin, dass viele Investoren ihr Geld komplett aus Kryptowährungen abgezogen und in traditionelle Anlagen oder Bargeld umgeschichtet haben. „Ein Hackerangriff auf eine Krypto-Börse ist wie ein Banküberfall mit Internetgeschwindigkeit“, sagte TRM-Manager Ari Redbord. Dies mache jeden, der für das Geld anderer verantwortlich ist, vorsichtiger.
Nach Angaben der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ baut Nordkorea seit Jahren sein Hackernetzwerk auf, das vor allem mithilfe von China und Russland vorangetrieben werde. Das erbeutete Geld soll vor allem für das Atom- und Raketenprogramm des Machthabers Kim Jong-un verwendet werden. Die Hackertruppen seien mittlerweile zu einer der wichtigsten Einnahmequellen Nordkoreas geworden – allein im Binance-Fall haben die Hacker Geld im wert von rund 20 Prozent der Wirtschaftsleistung Nordkoreas erbeutet.
Bis zum Montag erholte sich der Kryptowährungsmarkt teilweise. Bitcoin notierte ein knappes halbes Prozent im Plus bei 78.061 Dollar, und Ethereum legte 1,2 Prozent auf 2290 Dollar zu.
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