Oktober 16, 2026 9:39 a.m. CEST

Das kann teuer werden

So locken Betrüger Berliner in die Sperrmüll-Falle

16.10.2026 – 07:51 UhrLesedauer: 3 Min.

Eine kaputte Couch liegt auf dem Gehweg (Archivbild): Wer Sperrmüll entsorgen will, muss vor Betrügern aufpassen. (Quelle: Britta Pedersen/dpa/dpa-bilder)

Wer in Berlin Sperrmüll entsorgen will, gerät zunehmend an Abzocker. Gefälschte Internetseiten täuschen dabei vor, die städtische Müllabfuhr zu sein,

In Berlin häufen sich Beschwerden über Betrüger, die bei der Sperrmüllentsorgung weit mehr Geld verlangen als zuvor vereinbart. Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, nutzen die Täter gefälschte Internetseiten, die der Berliner Stadtreinigung BSR zum Verwechseln ähnlich sehen. Allein in diesem Jahr sind bei der Polizei bereits 198 Strafanzeigen eingegangen – mehr als dreimal so viele wie im gesamten Vorjahr.

Die Betrüger bauen Internetseiten nach, die dem Auftritt der BSR täuschend ähnlich sehen. Simon Götze, Jurist bei der Verbraucherzentrale Berlin, erklärt: „Verbraucher rufen dann, in dem Glauben, sie sind hier bei der städtischen Müllabfuhr, an und erhalten auch relativ schnell einen Termin zur Abholung.“ Ist der Termin vereinbart, erscheinen die Abholer und verlangen plötzlich ein Vielfaches des ursprünglich genannten Preises. Als Begründung nennen sie etwa angebliche Mengenüberschreitungen oder Zusatzkosten.

Aus 35 Euro werden über 200 Euro

Ein aktueller Fall aus dem Berliner Stadtteil Neukölln zeigt, wie das abläuft: Eine Frau wollte zwei Matratzen entsorgen lassen. Am Telefon wurden ihr 35 Euro genannt. Als die Abholer eintrafen, forderten sie 211 Euro. Die Männer trugen keine BSR-Arbeitskleidung und kamen mit einem weißen Transporter ohne Aufschrift. Bei der Verbraucherzentrale sind Fälle bekannt, in denen vierstellige Beträge verlangt wurden. Die BSR spricht von einer teilweise zehnfachen Erhöhung des ursprünglich vereinbarten Preises.

Götze beschreibt die Lage der Betroffenen so: „Für Betroffenen ist die Situation oft auch mindestens unangenehm bis bedrohlich.“

Der gemeldete Gesamtschaden lag laut Polizei im Jahr 2025 bei rund 83.000 Euro. In diesem Jahr beläuft er sich bislang auf rund 207.000 Euro. Die BSR-Pressestelle erklärt, das Problem begleite das Unternehmen schon seit vielen Jahren: „Leider ist das ein Problem, dass uns schon sehr lange begleitet. Bereits seit vielen Jahren kommt die Problematik immer wieder auf. In den letzten Monaten haben uns wieder vermehrt Beschwerden von Betrogenen erreicht.“ Götze ergänzt, dass auch bei der Verbraucherzentrale Berlin regelmäßig Beschwerden zu diesem Thema eingehen. Dank KI sei es heute deutlich einfacher als noch vor zehn Jahren, einen täuschend echten Fake-Auftritt der BSR zu erstellen.

Zwar ermittelt die Polizei immer wieder wegen mutmaßlichen Sperrmüllbetrugs. Laut einem Polizeisprecher werden Verfahren jedoch häufig eingestellt, weil die Staatsanwaltschaft die Fälle als zivilrechtliche Auseinandersetzungen und nicht als strafrechtlich relevanten Betrug einstufe. Selbst wer sich getäuscht fühlt, muss also nicht zwingend mit einer strafrechtlichen Verfolgung rechnen.

Betroffene sollen Anzeige erstatten

Einen Anspruch auf Rückzahlung gibt es zwar unter Umständen. Laut Verbraucherzentrale ist er aber nur schwer oder gar nicht durchzusetzen, weil die Hinterleute der gefälschten Seiten oft unbekannt oder Strohleute sind. Götze erklärt: „Da die Betroffenen oft per Bargeld oder mit Karte zahlen müssen, lassen sich die Zahlungen nicht ohne Mitwirkung des Empfängers rückabwickeln.“ Die BSR rät allen Geschädigten, Anzeige bei der Polizei zu erstatten: „Betrug ist eine Straftat. Daher raten wir allen Geschädigten: Wenn Sie Opfer von Sperrmüllbetrügern geworden sind, wenden Sie sich an die Polizei, stellen Sie eine Anzeige.“

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