Mit dem Tod wollen sich viele Menschen nicht auseinandersetzen – zumindest in westlichen Kulturkreisen. Tod und Sterben sind hier noch immer ein großes Tabuthema. Eines, das man am besten an einen bestimmten Ort verbannt, in der Hoffnung, dass sich die Welt der Toten mit jener der Lebenden ganz kontrolliert nur dort überschneidet. Ein Memento mori, also eine Erinnerung an die eigene Sterblichkeit, in den eigenen vier Wänden? Bloß nicht!
Dabei gibt es viele gute Gründe für die Liberalisierung von Bestattungsgesetzen. Zum einen geht es schlicht und einfach um Selbstbestimmung – bis über den Tod hinaus. Warum sollte sich jemand an einem Ort beerdigen lassen, mit dem er oder sie zu Lebzeiten nichts verbunden hat, außer vielleicht negative Gefühle? Warum soll man seine letzte Ruhe nicht zu Hause finden – an einem Ort, der schon zu Lebzeiten der Mittelpunkt war? Ein Ort, an dem gefeiert, getrauert, gelebt und geliebt wurde.
Aber auch für die Angehörigen können gelockerte Gesetze dazu beitragen, auf ihre ganz eigene Art und Weise zu trauern und sich zu erinnern. Nicht jeder geht gerne auf den Friedhof. Nicht etwa aus Angst, sondern weil manche Menschen ein Grab auf einem Friedhof nicht mit dem Verstorbenen in Verbindung bringen können. Sie gedenken lieber, indem sie zu Hause ein Bild der verstorbenen Person aufstellen, eine Kerze anzünden und sich an schöne gemeinsame Momente erinnern.
Außerdem heißt eine Liberalisierung des Bestattungsrechts nicht, dass willkürlich darüber entschieden wird, wo die sterblichen Überreste einer Person am Ende landen. In Rheinland-Pfalz müssen die Menschen vor ihrem Tod schriftlich niederlegen, wie sie beerdigt werden wollen. Wer weiterhin lieber auf dem Friedhof seine letzte Ruhestätte haben möchte, kann das nach wie vor problemlos tun.
Ja, Friedhöfe sind ein wichtiger Bestandteil unserer Kultur. Aber nur, weil man Bestattungsgesetze lockert und neue Praktiken erlaubt, werden Friedhöfe nicht von der Bildfläche verschwinden. In anderen Ländern, wie etwa den USA, sind liberale Bestattungsformen längst üblich. Dort stehen Urnen auf Kaminsimsen, Asche wird zu Diamanten verarbeitet und als Kettenanhänger um den Hals getragen. Trotzdem gibt es dort weiterhin Friedhöfe und eine ausgeprägte Erinnerungskultur. Und auch in Deutschland wird diese nicht verloren gehen, weil die Urne eines geliebten Menschen künftig auf der Kommode steht, statt auf einem Friedhof begraben zu sein.














