Unter Berücksichtigung der ausgestellten Wahlscheine haben nach derzeitigem Stand 27,9 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. 2023 lag die Wahlbeteiligung zum gleichen Zeitpunkt bei 23,4 Prozent. Damit lag die Wahlbeteiligung um 12 Uhr um 4,5 Prozentpunkte höher als zur Vorwahl 2023. Die höchste Wahlbeteiligung bis zum Mittag wird aus dem Bezirk Treptow-Köpenick gemeldet (30,5 Prozent), die niedrigste aus Mitte mit 24,8 Prozent.
AfD-Spitzenkandidatin Brinker hat gewählt
Die AfD-Spitzenkandidatin Kristin Brinker hat ihre Stimme zur Abgeordnetenhauswahl abgegeben. Gut gelaunt erschien sie im Wahllokal in einer Schule in Steglitz. Lächelnd warf sie ihren Stimmzettel in die Urne.
Umfragen sagen ein knappes Rennen um das Rote Rathaus voraus. In den jüngsten Erhebungen lieferten sich die Linke mit Spitzenkandidatin Elif Eralp und die CDU mit Spitzenkandidat Stefan Evers ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Es folgten AfD, Grüne und die SPD.
Brinker ist seit 2013 AfD-Mitglied und gehört dem Abgeordnetenhaus seit 2016 an. Sie wurde lange Zeit eher dem liberal-konservativen Lager in der AfD zugerechnet, hat aber weder Berührungsängste mit stramm rechten Parteifreunden noch mit radikaler Programmatik.
Wegner, Graf und Evers haben gewählt
Der Regierende Bürgermeister Kai Wegner sowie sein möglicher Nachfolger und CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers haben gewählt. Das geht aus diversen Beiträgen auf den sozialen Medien hervor.
Wegner erschien am Sonntagmittag gemeinsam mit seiner Partnerin und Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch in der Spandauer Grundschule Ritterfeld. Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner rechnet mit einer regen Wahlbeteiligung. „Ich glaube, dass viele Menschen wählen gehen und am Ende des Tages die Radikalen nicht gestärkt werden, sondern wirklich die Mitte“, sagte der CDU-Politiker am Rande seiner Stimmabgabe in seinem Wahllokal in der Grundschule Ritterfeld.
Er sei angespannt, aber zuversichtlich, so Wegner weiter. „Ich hoffe, dass wir stabile Verhältnisse bekommen in Berlin, dass wir eine Regierungskoalition hinbekommen, die dann auch konsequent diesen Kurs der Mitte auch fortsetzen kann.“
Der CDU-Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl, Stefan Evers, wählte hingegen in Friedrichshain.
Grünen-Spitzenkandidat Werner Graf erschien gut gelaunt kurz nach 9 Uhr im Wahllokal Tempelhof-Schöneberg. Lachend warf er seinen Stimmzettel in die Urne und strahlte in die Kameras.
So viele Wahllokale gibt es in Berlin
Es gibt 2.542 Urnenwahllokale bei der Wahl heute, ein Zehntel mehr als bei der Wiederholungswahl 2023. Sie haben bis 18 Uhr geöffnet. Hinzu kommen 1.572 Briefwahllokale. Bis zu 40.000 Wahlhelfer werden im Einsatz sein. Sie sollen einen reibungslosen Ablauf sicherstellen und bekommen für ihr Engagement bis zu 120 Euro „Erfrischungsgeld“.
Wer zuschauen will, kann das tun. Laut Wahlordnung hat jedermann Zutritt zum Wahlraum – und zwar schon tagsüber während der Stimmabgabe, und auch später ab 18 Uhr, wenn öffentlich ausgezählt wird und der Wahlvorstand das Ergebnis feststellt.
Diese Konstellationen sind nach der Wahl denkbar
Laut den jüngsten Umfragen kommt keine Zweierkoalition auf eine Mehrheit, auch nicht das regierende Bündnis aus CDU und SPD. Als wahrscheinliche Optionen gelten Dreierkoalitionen – also entweder gehen CDU, Grüne und SPD zusammen oder aber Linke, Grüne und SPD. Die AfD dürfte, anders als in Sachsen-Anhalt, bei der Regierungsbildung außen vor bleiben, weil die übrigen Parteien eine Zusammenarbeit mit der Rechtsaußen-Partei ablehnen. FDP und BSW sehen die Umfragen – mit einer Ausnahme – nicht im Parlament.
Linke (20–23 Prozent) und CDU (20–21 Prozent) rangieren in den jüngsten Erhebungen dicht beieinander, wobei die Linke zumeist knapp die Nase vorn hat. Etwas dahinter folgen die AfD (17–18 Prozent) und die Grünen (15–16 Prozent). Die SPD kann demnach mit 10 bis 12 Prozent nur auf Platz fünf hoffen. Umfragen sind allerdings keine Wahlergebnisse. Zuletzt gab es laut den Demoskopen noch viele unentschlossene Wähler.
Merkel hat schon per Briefwahl gewählt
Die frühere Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat ihre Stimme für die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus bereits abgegeben. „Die Bundeskanzlerin a. D. hat per Briefwahl gewählt“, teilte ihr Büro auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit.
Merkel liegt damit im Trend: Der Anteil von Briefwählern nimmt auch in Berlin tendenziell zu. Bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus 2016 waren es nach Angaben von Landeswahlleiter Stephan Bröchler noch 29,2 Prozent, 2021 dann 46,8 Prozent und 2023 44,5 Prozent.
Was wird heute eigentlich gewählt?
In jedem der 78 Wahlkreise wird ein Direktkandidat für das Abgeordnetenhaus gewählt – so heißt das Berliner Landesparlament. Die Zweitstimmen der Wahlberechtigten bestimmen die Sitzverteilung. Regulär gibt es 130 Abgeordnete, aktuell sind es durch Überhang- und Ausgleichsmandate 159. Außerdem bestimmen die Wählerinnen und Wähler die Zusammensetzung der Kommunalparlamente in den zwölf Bezirken neu.
Es gehen nur halb so viele Parteien mit eigenen Listen ins Rennen wie vor drei Jahren. Diesmal treten 17 Parteien zur Abgeordnetenhauswahl an. Zum Vergleich: Bei der wegen Pannen gerichtlich angeordneten Wiederholungswahl 2023 konkurrierten noch 33 Parteien.
Berücksichtigt werden nur Parteien, die mindestens fünf Prozent der Zweitstimmen holen. Das soll eine Zersplitterung des Parlaments verhindern und so dessen Arbeitsfähigkeit sicherstellen.
So findet man sein Wahllokal
Auf der Wahlbenachrichtigung steht die Adresse des Wahllokals, in dem man wählen darf. Wer die Wahlbenachrichtigung verloren hat, findet sein Wahllokal auch über die Wahllokalsuche auf der Webseite des Landeswahlleiters – dafür reicht die eigene Anschrift als Eingabe.
Das müssen Wähler heute ins Wahllokal mitnehmen
Die Wahllokale sind von 8 bis 18 Uhr geöffnet. Wer um 18 Uhr bereits in der Schlange steht, darf noch abstimmen – wer danach eintrifft, nicht mehr.
Ins Wahllokal kommt nur, wer einen Ausweis mit Lichtbild dabei hat: Personalausweis, Reisepass oder Führerschein. Auch ein abgelaufenes Dokument wird akzeptiert. Die Wahlbenachrichtigung muss man nicht unbedingt mitnehmen. Wer im Wahlverzeichnis steht, darf auch ohne sie an der Wahl teilnehmen. Hier lesen: Das passiert, wenn man am Wahltag krank wird.
Landeswahlleiter: Auch Strich, Haken und Plus erlaubt
Bei der Berliner Abgeordnetenhauswahl ist nicht nur ein Kreuz auf dem Wahlzettel erlaubt. Ein „Strich, ein Kreuz, ein Plus-Zeichen“ machten die Stimmabgabe gültig, sagte Berlins Landeswahlleiter Stephan Bröchler. Gültig sei die Stimme auch, wenn der Kreis ausgemalt oder ein Häkchen in einem Kandidatenfeld gesetzt werde. Hier lesen: Diese Dinge machen den Stimmzettel ungültig.
Samstag, 19. September 2026
Evers attackiert die Linke: „Welten liegen zwischen uns“
Berlins CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers hat die Linke am Tag vor der Abgeordnetenhauswahl noch einmal scharf kritisiert. „Es ist eine Entscheidungs-, eine Richtungswahl zwischen zwei Parteien, zwischen denen buchstäblich Welten liegen“, sagte Evers beim CDU-Wahlkampfabschluss in Berlin-Steglitz.
In Berlin gehe es um eine radikale Linkspartei, in der Judenhass geduldet und Polizistenhass hofiert werde, die die Polizei schwächen und den Verfassungsschutz abschaffen wolle. „Wir sind in einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit den Linken, wirklich jede Stimme zählt“, sagte er.
„Das war ein Wahlkampf, wie wir ihn noch nie gesehen haben“, betonte Evers, der erst Mitte Juli CDU-Spitzenkandidat wurde, nachdem Kai Wegner wegen der anhaltenden Kritik an falschen Angaben zu seinem Verhalten beim Stromausfall im Januar seinen Rückzug bekannt gegeben hatte.
Bei seinem Start als Spitzenkandidat habe die CDU in Umfragen auf Platz vier gelegen. „Gefühlt im freien Fall, eine Situation, die sich keiner so gewünscht hat“, sagte Evers. „Wir haben uns zurückgekämpft.“
Freitag, 18. September 2026
Wahlkampf in Berlin geht zu Ende
Zwei Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus schließen heute viele Parteien offiziell ihren wochenlangen Wahlkampf ab. Zur Linken-Kundgebung werden neben Spitzenkandidatin Elif Eralp auch Bundes-Parteichefin Ines Schwerdtner sowie Gregor Gysi erwartet. SPD-Spitzenkandidat Steffen Krach hat zum Abschluss den früheren Regierungschef Klaus Wowereit dabei.
Bei den Grünen sprechen im Mauerpark Spitzenkandidat Werner Graf und die frühere Parteichefin Ricarda Lang. Beim BSW ist auf dem Alexanderplatz Parteigründerin Sahra Wagenknecht dabei. Die CDU hat ihren Wahlkampfabschluss erst am Samstag.
Aktuelle Umfrage: Linke knapp vor CDU
Kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus liegt die Linke im ZDF-Politbarometer Extra bei 22 Prozent, die CDU bei 20 Prozent. Der Abstand von zwei Punkten bewegt sich innerhalb der angegebenen Fehlertoleranz von plus/minus drei Prozentpunkten – ein gesicherter Vorsprung lässt sich daraus nicht ableiten.
Auch bei der Frage nach der bevorzugten Regierungschefin oder dem bevorzugten Regierungschef liegen die Spitzenkandidaten nahezu gleichauf: Linke-Spitzenkandidatin Elif Eralp kommt laut der Erhebung auf 25 Prozent, CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers auf 24 Prozent.
Hinter den beiden führenden Parteien folgen laut Politbarometer Extra die AfD mit 18 Prozent, die Grünen mit 15 Prozent und die SPD mit 12 Prozent. Das Bündnis Sahra Wagenknecht kommt auf 4 Prozent und liegt damit knapp unter der Fünfprozenthürde.
Koalitionsfrage bleibt nach letzter Debatte offen
Kurz vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 21. September 2026 blieb bei der letzten gemeinsamen Debatte der Spitzenkandidaten vieles offen, was mögliche Bündnisse angeht. Bei einer Veranstaltung des „Tagesspiegel“ im Deutschen Theater zogen SPD und Grüne keine klaren Koalitionslinien und wollten sich vorab nicht festlegen. Die CDU setzte dagegen die deutlichste Grenze: Spitzenkandidat Stefan Evers schloss eine Zusammenarbeit mit Linken und AfD aus. „Wir werden weder mit den einen noch mit den anderen Radikalen zusammenarbeiten“, sagte Evers.
Evers greift Linke scharf an und spricht von Extremisten
Offen ist damit weiter, welche Rolle die Linke nach der Wahl überhaupt spielen kann. Spitzenkandidatin Elif Eralp erklärte, sie wolle regieren und nannte als Ziel, Berlin bezahlbar zu machen. „Das ist auch der Anspruch der Partei“, sagte sie. Gleichzeitig sagte Eralp, dass Teile der Berliner Linken eine Regierungsbeteiligung ablehnten; nach ihren Angaben soll ein Parteitag in der Woche nach dem Wahltag darüber entscheiden.
Drei Tage vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus hat CDU-Spitzenkandidat Stefan Evers bei einer Veranstaltung mit Bundeskanzler Friedrich Merz in der CDU-Parteizentrale die Linke scharf angegriffen. Evers sagte: „Diese Stadt der Freiheit darf nicht in die Hände von Extremisten, von extremen politischen Parteien fallen, von Parteien, die Judenhass offen in ihren Reihen dulden.“ Die Forderung der Linken nach einer Vergesellschaftung großer Wohnungsunternehmen bezeichnete er als „Massenenteignungen“.
Merz stärkte Evers bei dem Termin den Rücken und lobte ihn als künftigen Regierenden Bürgermeister. Er sagte: „Mit einem solchen Regierenden Bürgermeister können wir alle weiter stolz sein auf unsere Hauptstadt.“ Es war der einzige gemeinsame Wahlkampfauftritt des innerparteilich angeschlagenen Kanzlers in Berlin.
