September 21, 2026 10:37 a.m. CEST

Auf dem Oktoberfest trifft Familienidylle auf Exzess: Ein Besuch am ersten Wiesn-Sonntag 2026 offenbart Szenen, die selbst hartgesottene Münchner erschüttern.

Sonntagnachmittag auf der Wiesn. Kaiserwetter. Eigentlich ein herrlicher Tag. Am Eingang der Theresienwiese fährt eine Karaoke-Rikscha, ein junges Paar grölt „Angels“ ins Mikrofon. Auf dem Gelände posieren Kinder in Miniatur-Lederhosen stolz vor den Fahrgeschäften. Aus den Zelten dröhnt Musik und Gesang. „Viva Bavaria“ – Hoch lebe Bayern.

Und dann das. Direkt gegenüber vom Käfer-Festzelt, in dem an diesem Nachmittag die Bayern-Stars Harry Kane, Josh Kimmich und Co. feiern, liegt ein junger Mann in einer Ecke. Er ist vollkommen betrunken. Die Hose ist ihm heruntergerutscht und er sitzt nur noch in Unterhose da. Er hat sich eingekotet. Ein Sicherheitsmitarbeiter versucht noch, ihm die Hose wieder hochzuziehen, damit wenigstens das Gröbste bedeckt ist. Dann kommen auch schon die Sanitäter. „Oh nein, bitte nicht“, sagt einer zum anderen.

Das wird an diesem Nachmittag nicht die einzige verstörende Szene bleiben. Ein Mitglied eines Trachtenvereins bahnt sich mit blutgetränktem Taschentuch vor der Nase einen Weg durch die Menschenmassen. Eine junge Frau sitzt weinend auf einem Bordstein. Drumherum lehnen Menschen, vor allem Männer, in Schräglage an Zeltwänden und Gittern.

Andere schlafen auf dem Kotzhügel ihren Rausch aus oder versuchen, sich nicht zu übergeben. Überall Glasscherben. Müll. Essensreste. Erbrochenes. Der Gestank davon mischt sich mit Zigarettenrauch und dem süßlichen Geruch von gebrannten Mandeln. Heute, an diesem ersten Wiesn-Sonntag 2026, ist es arg. Kaum zu ertragen, erst recht nicht nüchtern.

Die Wiesn hat zwei Gesichter, das weiß man als Münchner. Und selbst wer das eine fröhliche und herzliche Gesicht der Wiesn so sehr liebt, ist doch immer wieder von der anderen Seite des Fests erschüttert. Auch, wenn man die Wiesn schon seit Kindesbeinen kennt. Ist es schlimmer geworden mit den Exzessen? Vermutlich. Das macht traurig. Ein, zwei oder drei Maß Bier? Gerne. Aber man sollte doch bitte noch in der Lage sein, all das drinnen zu behalten, was auch drinnen bleiben soll. Zum Wohle aller: der Kinder, der Sanitäter, der Besucher. All jenen Menschen, die auf der Wiesn gehen, um eine schöne und gemütliche Zeit zu verleben.

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