Konzern will Milliarden einsparen
Autozulieferer Bosch will tausende Stelle streichen
15.09.2025 – 18:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Der Stuttgarter Autozulieferer Bosch kündigt den Wegfall tausender Stellen an. Es ist nicht das einzige Krisensymptom am einstigen Vorzeigestandort Baden-Württemberg.
In der Automobilsparte des Bosch-Konzerns drohen in den kommenden Jahren weitere Stellenstreichungen. Die Bosch-Manager Markus Heyn und Stefan Grosch verwiesen in einem Interview mit der „Stuttgarter Zeitung“ und den „Stuttgarter Nachrichten“ auf nötige Einsparungen in Höhe von 2,5 Milliarden Euro bis 2030. Anders sei die angestrebte Rendite von sieben Prozent nicht erreichbar.
Bosch hatte im vergangenen Jahr bereits angekündigt, in den kommenden Jahren tausende Stellen zu streichen. Grund sei die schwierige Lage der Autoindustrie bei zugleich hohem Investitionsbedarf für die Antriebswende und neue Technologien. Die bisher vereinbarten Maßnahmen reichen laut Heyn und Grosch aber nicht aus, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Wie viele Stellen wo wegfallen könnten, blieb offen.
Das einstige Vorzeigeland Baden-Württemberg steckt tief in der Krise. Die Autokonzerne Daimler und Porsche kämpfen mit dem Übergang in die Elektromobilität. Das nahende Ende des Verbrennungsmotors reißt auch Zulieferer in die Krise. Erst in der Vorwoche hatte das Unternehmen ZF Friedrichshafen den Chef ausgetauscht. Auch dort stehen tausende Stellen auf der Kippe. Die Krise trifft längst auch andere Branchen. So wurden die „Stuttgarter Zeitung“ und „Stuttgarter Nachrichten“ jüngst fusioniert und dann an einen Konzern aus Ulm verkauft. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist ohne eigene mediale Stimme in der Printlandschaft – einmalig im föderalen System der Bundesrepublik.
In einer Studie der EU-Kommission zählt Stuttgart gleich in vier Branchen zu den Problem-Regionen in Europa. Neben der Autoindustrie gilt das auch im Bereich Maschinenbau, Chemie und Metallverarbeitung. Die Untersuchung beschreibt Stuttgart als Region, „die besonders mit dem industriellen Niedergang zu kämpfen hat“.
Auch dem weltgrößtem Autozulieferer Bosch macht die Krise zu schaffen. In vielen Bereichen ist das Unternehmen unter Druck und nach eigenen Angaben nur noch teilweise wettbewerbsfähig. Besonders betroffen sind unter anderem Produkte wie Steuergeräte, Antriebe, Lenkungen, Teile für E-Autos und Fahrzeugsoftware sowie Ingenieurdienstleistungen für Autobauer.
Die Gründe für die Krise sind in den einzelnen Bereichen zwar jeweils anders gelagert. Die gedrosselte Fahrzeugproduktion, verschobene Projekten der Autobauer sowie die daraus entstandenen Überkapazitäten sind aber generell ein Problem. Hinzu kommt ein zunehmender Wettbewerbs- und Preisdruck – zum Beispiel durch chinesische Anbieter.
Das Problem für Bosch: Auch in den anderen Unternehmensteilen – die unter anderem Heizungen, Haushaltsgeräte und Elektrowerkzeuge anbieten – läuft es nicht rund.
Die Gewerkschaft IG Metall und der Betriebsrat warnten vor weiteren Einschnitten für die Belegschaft. „Wir verschließen nicht die Augen vor der angespannten Situation, in der sich die deutsche und europäische Automobil- und Zulieferindustrie aktuell befindet. Doch bei Bosch haben bereits an verschiedenen Standorten umfangreiche Kosteneinsparungen mit Auswirkungen auf das Personal stattgefunden“, erklärte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Frank Sell.
