September 1, 2026 1:14 p.m. CEST

Neue Studie zeigt

Darum sind Impfungen gegen Atemwegserreger wichtig


01.09.2026 – 12:00 UhrLesedauer: 3 Min.

Atemwegsinfekte (Symbolbild): Mit dem Herbst steigt auf das Ansteckungsrisiko an.

Atemwegsinfekte (Symbolbild): Mit dem Herbst beginnt auch die Zeit höherer Ansteckungsgefahr. (Quelle: South_agency/getty-images-bilder)

Husten und Fieber sind nicht die einzigen möglichen Folgen eines Atemwegsinfekts. Besonders für das Herz können Grippe, Covid-19 und andere Infektionen zum Risiko werden.

Grippe, RSV (Respiratorisches Synzytial-Virus) oder Covid-19 betreffen nicht nur die Atemwege. Solche Infektionen können auch Herz und Gefäße belasten – und Herzinfarkte, Schlaganfälle oder andere Herz-Kreislauf-Komplikationen begünstigen. Deutsche Forscher liefern dafür nun einen weiteren Hinweis – und machen auf eine entscheidende Gegenmaßnahme aufmerksam. Die Studie ist kürzlich im Fachmagazin „PLOS Global Public Health“ erschienen.

Auffälliges Muster bei den Todesfällen

Für die aktuelle Studie werteten Forscher des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie Gesundheitsdaten aus Deutschland über 14 Jahre aus. Dabei verglichen sie den zeitlichen Verlauf von Atemwegsinfektionen mit der allgemeinen Sterblichkeit und Todesfällen durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Das Ergebnis: Vor der Corona-Pandemie erreichten Atemwegsinfektionen ihren Höhepunkt meist im Februar oder März. In den Pandemiejahren änderte sich das: In den Saisons 2021/22 und 2022/23 traten die Infektionswellen acht bis zwölf Wochen früher auf, weil viele Menschen aufgrund der Kontaktbeschränkungen im Jahr zuvor empfänglicher für die Erreger waren. Parallel dazu verschob sich auch der saisonale Höhepunkt der Sterblichkeit. Besonders deutlich zeigte sich das bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen: Die meisten Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Ereignisse wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle traten nun ebenfalls acht bis zwölf Wochen früher auf.

Für die Forscher spricht diese zeitliche Übereinstimmung dafür, dass Atemwegsinfektionen schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse begünstigen können. Allerdings weisen die Forscher selbst darauf hin, dass ihre Studie keinen direkten Ursache-Wirkungs-Beweis darstellt.

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Studie liefert wichtiges Puzzleteil – aber keinen Beweis

Auch David Hillus, Arzt und Forscher von der Charité – Universitätsmedizin Berlin, weist im „Science Media Center“ (SMC) auf diese Einschränkung hin: „Die Forscher legen zeitliche Trends aus verschiedenen Gesundheitsdatenquellen übereinander und stellen fest, dass sich Atemwegsinfektionen und Herz-Kreislauf-Todesfälle im gleichen Zeitfenster verschieben. Das stützt die Vermutung eines Zusammenhangs. Es handelt sich aber nicht um Daten einzelner Patienten, bei denen man weiß, dass genau diese Person eine Atemwegsinfektion hatte und kurz danach an einem Herzinfarkt oder Schlaganfall verstorben ist.“ Dafür müssten weitere Studien die Krankheitsverläufe einzelner Menschen untersuchen.

Allerdings liefere die Studie durch das gleichmäßige Muster über mehrere Saisons hinweg ein wichtiges Puzzleteil für die Bewertung dieses Zusammenhangs, so der Experte.

Warum Infekte das Herz belasten

Dass Atemwegsinfekte nicht nur Lunge und Bronchien betreffen, ist Medizinern bereits aus anderen Untersuchungen bekannt. Dirk Westermann, Ärztlicher Direktor des Universitäts-Herzzentrums Freiburg, erklärt dazu im SMC, dass Atemwegsinfektionen etwa bekannte Auslöser von Herzinfarkten, Herzinsuffizienz und Schlaganfällen sind. Eine wichtige Rolle dabei würden Entzündungen spielen. Sie können eine Arteriosklerose begünstigen – also eine Verhärtung und Verengung der Blutgefäße. Dadurch steige das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, so der Experte.

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