„… selbst wenn ich dafür in den Bau geh“
Wenige Stunden vor der Durchsuchung hatte der 15-Jährige laut EXIF geschrieben: „Man muss ja auch irgendwas tun, ne für’s Vaterland. (…) Und wenn’s keiner macht, dann mach ich es halt, Digga. Und das ist mir so scheißegal, ob da SEK meine Bude stürmen wird. (…) Das hält mich nicht auf, selbst wenn ich in den Bau geh.“
Die Durchsuchung am Donnerstag hatte einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Lüneburg zufolge keine konkreten Anhaltspunkte ergeben, dass die angekündigten Anschlagspläne umgesetzt werden sollten. Auch aus Schleswig-Holstein heißt es, man sei davon ausgegangen, dass die Beteiligten nach der Entdeckung von möglichen Tatplänen abrücken. Tatsächlich verdichteten sich am Freitag Anzeichen, dass der Plan umgesetzt wird.
EXIF berichtet, der 15-Jährige sei am Freitagabend mit dem Fahrrad zu einer Tankstelle gefahren und mit Benzin wieder nach Hause zurückgekehrt. Als er gegen 19 Uhr mit dem Benzinkanister das Haus verlassen habe, sei er von Antifaschisten gestellt worden. Sie „teilten ihm mit, dass seine Pläne bekannt sind und er jetzt an Ort und Stelle stehen bleiben soll, bis die Polizei eintrifft“, heißt es im Bericht. Auf t-online-Anfrage wollte EXIF zunächst keine weiteren Erklärungen abgeben. Von Wahlstedt ist man mit öffentlichen Verkehrsmitteln in knapp zwei Stunden mit Umsteigen in Hamburg in Winsen.
Der Sprecher der Staatsanwaltschaft Flensburg sagte t-online, die Polizei sei wegen Hinweisen eines Journalisten und eines Anwohners zu der Adresse gefahren. Der NDR schreibt, man habe die Polizei am Freitag informiert, weil davon ausgegangen werden musste, dass Leib und Leben von Menschen in konkreter Gefahr sind. Ein Video von EXIF zeigt eine Person mit einem Benzinkanister, die diesen aufdreht und etwas Benzin auf den Boden schüttet. Dabei handele es sich um den 15-Jährigen.
15-Jähriger schweigt jetzt zu Vorwürfen
Laut Polizei Bad Segeberg konnte der 15-Jährige festgenommen werden, ohne dass er Widerstand leistete. Genauere Angaben zu den Umständen und insbesondere zur Rolle der Antifagruppe konnten am Montag weder Polizei noch Staatsanwaltschaft machen. Der 15-Jährige habe von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch gemacht, hieß es von der Staatsanwaltschaft.
EXIF Recherche nennt sich so nach den „EXIF-Daten“ genannten Metadaten digitaler Bilder, weil dort auch Fotos von Kundgebungen der rechtsextremen Szene ausgewertet werden. So hatte EXIF nach dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke (CDU) öffentlich gemacht, dass der Mörder Stephan E. mit seinem zeitweise ebenfalls verdächtigten Freund Markus H. unter den Teilnehmern einer AfD-Demo in Chemnitz war.
