Spritmangel verschärft sich
An jeder siebten französischen Tankstelle fehlt Kraftstoff
28.10.2026 – 12:35 UhrLesedauer: 2 Min.
In Frankreich werden Benzin und Diesel knapp – landesweit sind viele Tankstellen betroffen. In manchen Regionen ist die Lage noch deutlich angespannter.
Der Spritmangel in Frankreich wird akuter: Rund 15 Prozent der knapp 9.900 Tankstellen im Land sind von Kraftstoffengpässen betroffen. Das bedeutet: An etwa jeder siebten Station fehlt mindestens ein Benzin- oder Dieselprodukt. Besonders angespannt ist die Lage in der Region Grand Est im Osten des Landes sowie im Großraum Paris.
Für die Engpässe sind mehrere Faktoren verantwortlich. Der niedrige Wasserstand des Rheins verzögert den Kraftstofftransport, vor allem in den östlichen Landesteilen. Hinzu kommt ein starker Andrang bei günstigen Tankstellen: Der Mineralölkonzern TotalEnergies begrenzt die Preise an Teilen seines französischen Netzes auf höchstens 1,99 Euro je Liter Benzin und 2,25 Euro je Liter Diesel. Zum Vergleich: Im landesweiten Durchschnitt kostet Diesel 2,35 Euro, Benzin 2,23 Euro pro Liter (Stand: 22. Oktober 2026).
Die Region Grand Est, zu der unter anderem das Elsass und Lothringen gehören, meldet mit 22 Prozent den höchsten Anteil betroffener Tankstellen. In der Île-de-France rund um Paris sind es 21 Prozent. Korsika ist mit von den Engpässen nicht betroffen.
Bereits Anfang Oktober meldeten neun Prozent der Tankstellen Engpässe, in der Region Grand Est waren es bereits 16 Prozent.
Das rät der ADAC Urlaubern
Wer aus Deutschland nach Frankreich fährt, kann vor allem auf dem Weg durch das Elsass und Lothringen auf Versorgungsprobleme treffen. Der ADAC rät deshalb, den Tank noch vor dem Grenzübertritt zu füllen. Wer bereits in Frankreich unterwegs ist, sollte jede Gelegenheit zum Tanken nutzen.
Wer auf Vorrat Kraftstoff kaufen möchte, sollte aus Sicherheitsgründen nicht mehr als zehn Liter im Fahrzeug mitführen. Von der Mitnahme von Reservekanistern auf Fährschiffen rät der ADAC generell ab. Das französische Wirtschaftsministerium stellt eine Datenbank bereit, über die sich Tankstellen und verfügbare Kraftstoffsorten suchen lassen.
Schweiz prüft Tempolimit auf Autobahnen
Auch die Schweiz kämpft mit einer angespannten Versorgungslage bei Mineralölprodukten. Laut Berichten von „blick.ch“ und der „Süddeutschen Zeitung“, die sich auf Recherchen der „Schweiz am Wochenende“ berufen, bereitet das Bundesamt für wirtschaftliche Landesversorgung für den Fall einer schweren Treibstoffknappheit eine mögliche Absenkung der Autobahnhöchstgeschwindigkeit auf 80 Kilometer pro Stunde vor. Derzeit gilt auf Schweizer Autobahnen Tempo 120. Das Bundesamt habe demnach eine verwaltungsinterne Konsultation zu diesem Thema bestätigt.
Im aktuellen Lagebericht der Schweizer Wirtschaftlichen Landesversorgung heißt es, die Energieversorgung sei grundsätzlich sichergestellt. Bei einzelnen Produkten ist die Lage jedoch deutlich angespannter: Für Diesel gilt die Versorgungslage als „sehr angespannt“, bei Kerosin ist die „Versorgung gefährdet“. Für Kerosin wurden bereits Bezüge aus den staatlich vorgeschriebenen Pflichtlagern bewilligt, auch bei Diesel wurden Reserven freigegeben.
Als wesentlicher Faktor gilt ebenfalls der niedrige Rheinpegel. Schiffe können wegen des Niedrigwassers nur noch mit stark reduzierter Ladung oder teilweise gar nicht verkehren. Zusätzlich fiel im September 2026 die einzige Erdölraffinerie der Schweiz in Cressier im Kanton Neuenburg wegen eines technischen Defekts rund zwei Wochen aus. Eine Entscheidung über ein mögliches Tempolimit läge beim Schweizer Bundesrat. Bislang ist es jedoch nicht so weit.
