„Herzlich willkommen in der neuen Zeit“
Ulrich Siegmund droht ZDF-Reporter
Aktualisiert am 09.10.2026 – 15:32 UhrLesedauer: 3 Min.

Angespannte Gesprächsatmosphäre im Landtag von Sachsen-Anhalt: Dort kam es zu einer Konfrontation zwischen AfD-Mann Ulrich Siegmund und ZDF-Reporter Fabian Köster.
Provokationen und Frotzeleien sind das kleine Einmaleins des „heute-show“-Reporters Fabian Köster. Der 31-Jährige besucht für die ZDF-Satiresendung regelmäßig politische Veranstaltungen, Parteitage und Wahlkampfauftritte. Dort konfrontiert er Politiker über alle Parteigrenzen hinweg mit Widersprüchen und schlagfertigen Kommentaren.
Bei einem Aufeinandertreffen Anfang dieser Woche im Landtag von Sachsen-Anhalt ist diese Art der Gesprächsführung eskaliert. Dies zeigen Videoausschnitte, die seit Donnerstag in den sozialen Medien kursieren. Verbreitet werden sie unter anderem von AfD-nahen Medien wie „Utopia TV Deutschland“. Aufgenommen wurden sie am Dienstag nach der konstituierenden Sitzung des sachsen-anhaltischen Landtags, in der der AfD-Politiker Tobias Rausch zum Landtagspräsidenten und sein Parteikollege Hans-Thomas Tillschneider zu seinem Vize gewählt wurden.
Zu sehen ist, wie der AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund aus Sachsen-Anhalt im Gespräch mit dem ZDF-Reporter im Landtag eine Drohkulisse aufbaut. Der Tenor: Köster werde schon bald arbeitslos sein. „Haben Sie sich schon einen Job gesucht?“, fragte Siegmund den „heute-show“-Reporter und verwies darauf, dass man ja noch „dieses Jahr den Medienstaatsvertrag“ kündigen wolle.
Köster kontert mit Vetternaffäre der AfD
Fabian Köster antwortete darauf: „Ich hoffe halt, dass ich mit irgendeinem AfD-Kollegen verwandt bin, weil dann stellt er mich ja einfach ein.“ Ein Verweis auf die Vetternwirtschaftsaffäre innerhalb der AfD, die Anfang des Jahres aufgedeckt wurde: Mehrere AfD-Abgeordnete haben laut Medienrecherchen Familienmitglieder oder Partner von Parteikollegen über ihre Parlamentsbudgets beschäftigt.
Ulrich Siegmund hatte darauf sichtbar keine Antwort parat und fragte nur: „Kommen jetzt noch ein paar Witze?“ Köster parierte dies mit dem Verweis, Tobias Rausch werde ihn schon anstellen: „Der nimmt ja jeden“, so der ZDF-Reporter. Der neue Landtagspräsident Rausch war ebenfalls in die Vetternwirtschaftsaffäre verwickelt: Zeitweise waren mehrere Geschwister von Rausch bei der AfD-Bundestagsabgeordneten Claudia Weiss angestellt.
- Erfolg der „heute-show“: Da johlt das Publikum
Der AfD-Mann trat näher an Fabian Köster heran, legte den Arm um ihn und sagte: „Sie zittern ja schon wieder, sind Sie nervös?“ Siegmund fügte an: „Ich glaube, Sie haben das noch gar nicht richtig verarbeiten können: Herzlich willkommen in der neuen Zeit.“
Kündigung des Medienstaatsvertrags – aber wie?
Mit Blick auf die Wahl des Ministerpräsidenten kündigte Ulrich Siegmund im Gespräch mit Fabian Köster zudem an, man sehe sich im Dezember als „MP“ wieder. Er gehe davon aus, die Mehrheit zu erringen und der erste AfD-Ministerpräsident in der deutschen Geschichte zu werden. „Dann machen wir das im Dezember, wenn der Medienstaatsvertrag gekündigt ist, dann können wir gerne mal sprechen, ob wir für Sie eine Funktion finden.“
Die AfD in Sachsen-Anhalt plant eine Abschaffung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, kann dies aber lediglich für ihr Bundesland tun. Die Kündigung ist zwar rechtlich möglich mit einer Frist von zwei Jahren zum Jahresende, würde aber eine verfassungskonforme Nachfolgelösung erfordern. Der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR) ist zuständig für die Berichterstattung im Land Sachsen-Anhalt – aber das Sendegebiet umfasst auch die Bundesländer Thüringen und Sachsen, die außerhalb des politischen Einflussgebiets von Ulrich Siegmund liegen. Eine Kündigung des Medienstaatsvertrags durch Sachsen-Anhalt würde allerdings das ZDF nicht abschaffen und hätte nicht automatisch eine Kündigung Kösters zur Folge.














