Außer den Korallen sind laut dem Report weitere Lebewesen und Weltregionen akut von unumkehrbaren Kettenreaktionen bedroht. „Wir steuern rapide auf mehrere Kipppunkte des Erdsystems zu, die unsere Welt verändern könnten und zerstörerische Folgen für Menschen und Natur hätten“, betonte Tim Lenton von der Universität Exeter, der mit einem internationalen Team den „Global Tipping Points Report“ veröffentlicht.
Zum Beispiel ist der Amazonas-Regenwald, an dessen Rand in Kürze die Weltklimakonferenz stattfindet, durch eine Kombination aus klimabedingten Dürren und Abholzung gefährdet: Die Schwelle, ab der ein weitreichendes Absterben droht, sei niedriger als bislang angenommen – das untere Ende der angenommenen Spanne, an der das System kippen könnte, liege nun bei den schon fast erreichten 1,5 Grad, hieß es.
Auch die Atlantische Umwälzströmung könnte schon bei einer Erderwärmung von unter zwei Grad kollabieren, nehmen die Forscher an. Dies hätte paradoxe Folgen. Während sich die Welt weiter erhitzt, wären in Nordwesteuropa deutlich harschere Winter die Folge. Auch die Bedingungen für die Landwirtschaft würden durcheinandergewirbelt – mit drastischen Folgen für die weltweite Ernährungssicherheit.
Seit ihrer letzten Bestandsaufnahme vor zwei Jahren sehen die Forschenden aber auch Fortschritte. „Es gab eine radikale weltweite Beschleunigung, darunter die Verbreitung von Solarenergie und Elektroautos. Aber wir müssen mehr tun und uns schneller bewegen, um positive Kipppunkte zu erreichen“, sagte Lenton. Bestenfalls ergäben sich Kettenreaktionen – etwa zwischen den Bereich Energie, Verkehr und Heizen. „Wir müssen viel mehr positive Kipppunkte identifizieren und auslösen“, so das Team.
Viviane Raddatz, Klimachefin beim WWF Deutschland, zeigt sich ebenfalls überzeugt: „Wir können vor dem Unumkehrbaren noch umkehren.“ Unabdingbar dafür sei allerdings die schnelle und umfassende Abkehr von fossilen Energiequellen wie Kohle, Öl und Gas.
„Wir schauen hier besonders auf die Bundesregierung, die aktuell eher Rückschritte machen möchte“, so Raddatz. „Und wir schauen auch auf die EU, deren Heckmeck um die EU-Entwaldungsverordnung verantwortungslos gegenüber unseren Lebensgrundlagen ist, genauso wie die Verzögerungen beim 2040-Klimaziel und dem europäischen Beitrag zum Pariser Klimaabkommen.“















