Lehre aus Pandemie und Ukraine-Krieg
EZB-Studie rät: Ruhig bleiben und Bargeld bei sich haben
25.09.2025 – 03:13 UhrLesedauer: 2 Min.
Trotz digitaler Zahlungen steigt die Nachfrage nach Bargeld. Warum Scheine in Krisenzeiten zum „Ersatzreifen“ werden.
Trotz Online-Banking und Zahlungen mit Kreditkarten oder Handy ist die Nachfrage in Europa nach Bargeld groß. Eine Studie der EZB hat die Gründe untersucht und gibt einen Rat an Bürger im Euroraum.
So ist die Ausgabe von Banknoten seit 2005 ständig angestiegen, und die EZB sieht vor allem weltweite Krisen als Ursache. So habe man in der weltweiten Finanzkrise 2008, in der griechischen Schuldenkrise sowie während der Corona-Pandemie und seit der russischen Invasion in die Ukraine eine erhöhte Nachfrage bei Verbrauchern nach Bargeld feststellen können. Ebenfalls einen Anstieg gab es bei Bestellungen von ausländischen Banken, während heimische Banken eher weniger Barmittel vorhalten.
In einer Studie, die von der Europäischen Zentralbank veröffentlicht wurde und mit dem Titel „Ruhig bleiben und Bargeld vorhalten“, wird die Rolle der Scheine und Münzen während Krisen genauer untersucht. „Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die einzigartigen Eigenschaften von Bargeld – die Tatsache, dass es greifbar, widerstandsfähig, offline und weit verbreitet ist – in Krisenzeiten von entscheidender Bedeutung sind und auch für die Krisenvorsorge genutzt werden können“, so die Forscher.
„Aus systemtheoretischer Sicht sind digitale Zahlungssysteme zwar auf Effizienz optimiert (Maximierung der mittleren Zeit zwischen Ausfällen), Bargeld bietet jedoch eine wichtige Redundanz – eine Art ‚Ersatzreifen‘ – für das Zahlungssystem. Diese Redundanz ist für jedes System von entscheidender Bedeutung, da kein System unfehlbar ist“, heißt es in der Untersuchung.
Sie verweisen auf Empfehlungen mehrerer EU-Länder zur Krisenvorsorge. Beispielsweise empfehlen die Behörden in den Niederlanden, Österreich und Finnland, dass Haushalte zwischen etwa 70 Euro und 100 Euro pro Person zu Hause vorrätig haben sollten. Auf jeden Fall sollte man genug Bargeld haben, um 72 Stunden die wichtigsten Bedürfnisse decken zu können. In Schweden wird Bürgern sogar empfohlen, ausreichend Mittel für eine Woche zur Verfügung zu haben. „Bewahren Sie Bargeld in kleinen Stückelungen zu Hause auf, um damit zu handeln, falls digitale Zahlungsmethoden unterbrochen werden sollten“, raten die Behörden.
Solche Ausfälle hatte es zuletzt in Spanien und Portugal gegeben, als Stromunterbrechungen auch die Banken lahmlegten. Im März veröffentlichte die Europäische Kommission Leitlinien, wonach die Bürger der Europäischen Union genügend Lebensmittel und andere lebenswichtige Güter vorrätig halten sollten, um im Krisenfall mindestens 72 Stunden lang versorgt zu sein. In dem 18-seitigen Dokument heißt es, Europa stehe vor einer neuen, düstereren Realität, wobei der Krieg in der Ukraine, Sabotageakte an kritischer Infrastruktur und elektronische Kriegsführung als wichtige Faktoren genannt werden.
Die deutsche Bundesregierung rät Bürgern, bei Lebensmitteln einen Vorrat für zehn Tage vorzuhalten, mindestens jedoch für drei Tage. „Ein Getränkevorrat ist sehr wichtig, auch für den Fall, dass das Leitungswasser ausfällt. Ein erwachsener Mensch braucht mindestens 1,5 Liter Flüssigkeit am Tag. Wenn man Kochen möchte, sollte man 0,5 Liter Wasser zusätzlich einplant“, heißt es auf der Krisenvorsorgewebseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz. Vor allem wegen möglichen Stromausfällen wird Bürgern geraten, Bargeld bereit zu halten, es wird aber keine genaue Summe empfohlen.















