Pandemie-Welpen
Studie: Viele Hundehalter haben Betreuungsaufwand unterschätzt
18.09.2025 – 12:35 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach dem Welpenboom: Eine neue Studie belegt, dass der Familienhund nicht nur Freude bringt. Die Betreuung bleibt oft an einem Familienmitglied hängen.
Viele Familien schafften sich während der Corona-Pandemie ein Haustier an – oft einen Welpen. Für die Hundebetreuung war durch Homeoffice und Lockdowns mehr Zeit denn je, und Kinder fanden in den Vierbeinern willkommene Spielkameraden gegen die Langeweile.
In einer neuen britischen Studie wurde untersucht, wie es den Familien nach der Anschaffung im Alltag erging. Die Ergebnisse zeigen: Hunde können zwar viel Freude bringen – doch die Betreuung ist oft anstrengender als gedacht. Ein Familienmitglied leidet besonders unter der zusätzlichen Belastung.
Ein tierischer Begleiter im Alltag kann gegen Einsamkeit helfen und die mentale Gesundheit verbessern, das haben sich auch viele von der Anschaffung eines Welpen während der Pandemie erhofft. In der groß angelegten Befragung des Royal Veterinary College berichten zahlreiche Familien, dass ihre Vierbeiner tatsächlich Einsamkeit linderten, Ängste dämpften und ein Gefühl von Sicherheit vermittelten.
Kinder beschrieben ihre Hunde als „beste“ oder „bedingungslose Freunde“ und Geschwisterersatz. Besonders Einzelkinder und neurodivergente Kinder profitierten von Nähe und Kuscheleinheiten.
- Rasse, Kosten, Erziehung: Diese fünf Dinge sollten Sie beim ersten Hund beachten
Auch gemeinsame Spaziergänge erwiesen sich als wertvoll: Sie brachten Bewegung, Struktur und Gesprächsanlässe in den Alltag. Manche Eltern sahen im Hund sogar eine Art Familienmitglied, das alle zusammenbrachte.
Doch die Studie entlarvt auch die Kehrseite der Hundeliebe. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) der erwachsenen Hundehalter empfand den Alltag mit einem jungen Hund als deutlich anstrengender als erwartet. Besonders Ersthundebesitzer unterschätzten, wie viel Zeit und Geduld Training, Pflege und Erziehung tatsächlich erfordern.
Es zeigte sich außerdem, dass vor allem Mütter in 95 Prozent der Fälle die Hauptverantwortung für Hund und Kind tragen. Sie berichteten von einer spürbar höheren mentalen Belastung. Viele kämpften damit, Hundespaziergänge, Tierarzttermine und Erziehung in ihren ohnehin vollen Alltag zu integrieren – nicht selten zulasten der eigenen Erholung.
Zusätzlich verstärkten Verhaltensprobleme der Hunde wie Anspringen, Knabbern oder Ziehen an der Leine den Stress. Etwa jeder 17. Besitzer dachte sogar zeitweise darüber nach, den Hund wieder abzugeben. Die Mehrheit dieser Besitzer waren Personen, die das erste Mal einen Hund hielten.
Übrigens: Eine Umfrage des Haustiermagazins „Petbook“ unter Hundehaltern in Deutschland ergab, dass 17 Prozent der Teilnehmer, die sich während der Pandemie einen Hund angeschafft hatten, die Entscheidung bereuten.
Auch die erhoffte Unterstützung durch die Kinder blieb gemäß der Studie oft hinter den Erwartungen zurück: Sie übernahmen seltener als geplant Aufgaben wie Füttern, Gassigehen oder Pflegen, was die Hauptlast noch stärker auf die Mütter verlagerte. Die Forscher weisen darauf hin, dass diese zusätzliche mentale Belastung von Frauen durch ein Haustier noch weiter wissenschaftlich untersucht werden sollte.
Die Studienergebnisse bestätigen, was viele Hundeexperten immer wieder nahelegen: Die Anschaffung eines Hundes – oder auch anderer Haustiere – sollte in jedem Fall wohlüberlegt sein. Eine solche Entscheidung sollte die künftige Lebensplanung berücksichtigen und nicht aufgrund temporärer Gegebenheiten gefällt werden.














