Für die Frauen, die über Monate als mögliche Kandidatinnen gehandelt wurden, ist es nun zwar nicht angenehm, leer auszugehen. Ihren Karrieren wird das aber nicht schaden. Wohl eher im Gegenteil: Immerhin wurde ihnen das Amt in der öffentlichen Debatte grundsätzlich zugetraut.
Was bedeutet die Kür Aigners für Söder?
Für Parteichef Söder selbst würde Aigners Aufstieg zweierlei bedeuten. Einerseits wäre er damit zu Hause in Bayern auch eine persönliche Konkurrentin los. Schließlich galt Aigner in Schwächephasen Söders, zuletzt nach den bayerischen Kommunalwahlen im Frühjahr, immer auch als denkbare Nachfolgerin. Und auch wenn es für Söder nie gefährlich wurde, eben weil Aigner keine Revolutionärin ist, unterstellten viele dem Parteichef gewisse Hintergedanken, als er Aigner ausgerechnet kurz nach besagten Kommunalwahlen ins Gespräch brachte.
Andererseits scheint eine weitere Chance auf eine Kanzlerkandidatur für Söder damit in noch weitere Ferne gerückt als sie dies ohnehin schon war. Denn dass die CSU zwei der höchsten Staatsämter bekäme, gilt quasi als ausgeschlossen.
Was macht die Entscheidung mit der Koalition?
Im Verhältnis der beiden Unions-Parteichefs gibt es nach der Klärung der P-Frage einiges zu kitten. Auf beiden Seiten ist Vertrauen verloren gegangen. Für die Koalition insgesamt ist Aigner aber eine gute Lösung. Die SPD hatte schon früh Sympathien für sie erkennen lassen und sich zuletzt auch schon auf sie eingestellt. Wäre Merz auf den letzten Metern auf eine CDU-Kandidatin umgeschwenkt, wäre das Risiko eines Koalitionskrachs groß gewesen.
Was bedeutet die Entscheidung für die „politische Mitte“?
Merz wünscht sich Aigner als „Kandidatin der Mitte“. Das ist so zu verstehen, dass er auch die Grünen mit ins Boot holen will. Die haben zwar Sympathien für die CSU-Politikerin gezeigt, aber Merz keinen Blankoscheck für sie ausgestellt.
Was machen die anderen Fraktionen?
Es ist davon auszugehen, dass sich Aigner sehr zeitnah den Fraktionen im Bundestag vorstellen wird. Ob dazu dann auch die AfD und die Linke gehören, ist nicht klar – aber gut möglich. In einem Beitrag auf Instagram, in dem sie auf acht Jahre als Landtagspräsidentin zurückblickt, schreibt Aigner selbst: „Mein Anspruch war und ist es, #präsidentin für alle zu sein – parteipolitisch neutral, aber mit klarer Haltung, wenn es um den Schutz unserer #demokratie und die Würde unserer #verfassung geht.“
Die AfD hat allerdings schon angekündigt einen eigenen Kandidaten aufstellen zu wollen, einen Mann „aus der Mitte der Gesellschaft“, wie es heißt. Die Linke hat sich noch nicht abschließend entschieden.












