Ein Skandal machte ihn berühmt
Filmemacher Tinto Brass ist tot – er wurde 93 Jahre alt
05.11.2026 – 09:00 UhrLesedauer: 2 Min.
Mit „Caligula“ drehte er einen der berüchtigtsten Filme der Kinogeschichte. Nun ist der italienische Regisseur Tinto Brass im Alter von 93 Jahren gestorben.
Er begann als Assistent in Paris, drehte Avantgarde-Kurzfilme für Umberto Eco und landete schließlich mit einem Skandalfilm weltweit in den Schlagzeilen. Tinto Brass war einer der eigenwilligsten Filmemacher Italiens. Jetzt ist er tot. Dies gab seine Familie am Mittwoch bekannt. Demnach ist Tinto Brass im Alter von 93 Jahren in Rom gestorben.
Brass wurde 1933 in Mailand geboren, seine Familie stammte aus Venedig. Nach einem Jurastudium zog er 1957 nach Paris, wo er Anschluss an die Cinémathèque française fand und sich im Umfeld der aufkommenden Nouvelle Vague bewegte. Als Assistent arbeitete er für Joris Ivens und Roberto Rossellini.
Sein Regiedebüt gab Brass 1963, anschließend widmete er sich dem Avantgarde-Kino. Im Auftrag von Umberto Eco entstanden die experimentellen Kurzfilme „Tempo Libero“ und „Tempo Lavorativo“. Einen Großteil dieser Zeit verbrachte er in London, wo Werke wie „Deadly Sweet“, „Attraction“ und „Dropout“ entstanden.
Die Aufregung um Tinto Brass‘ Skandalfilm „Caligula“
Ende der 1970er Jahre schlug Brass eine neue Richtung ein. Mit „Salon Kitty“ und „Caligula“ wurde er berühmt-berüchtigt. „Caligula“ gilt mit einem Budget von rund 22 Millionen Dollar als eine der teuersten unabhängigen Produktionen überhaupt. Die Filmstars Malcolm McDowell und Peter O’Toole standen gemeinsam für die Hauptrollen vor der Kamera. Doch hinter den Kulissen spielte sich das eigentlich Drama ab.
Tinto Brass, Drehbuchautor Gore Vidal und Produzent Bob Guccione lieferten sich einen erbitterten Streit über die Ausrichtung des Films. Guccione, der Gründer des Erotikmagazins „Penthouse“, hatte den Film finanziert und in der Nachbearbeitung eigenmächtig Hardcore-Sexszenen einfügen lassen. Vidal ließ daraufhin seinen Namen aus dem Vorspann streichen. Auch O’Toole, McDowell und Brass gingen auf Distanz. Der Regisseur sah in Gucciones Eingriffen einen Verrat an seiner ursprünglichen Vision.

Mehr als vier Jahrzehnte später bekam der Film eine zweite Chance. 2023 lief eine neu geschnittene Fassung mit dem Titel „Caligula: The Ultimate Cut“ beim Filmfestival Cannes. Dort hatte Brass die expliziten Szenen von Guccione entfernt.
Brass blieb bis in die 2000er Jahre aktiv. Zu seinen letzten Arbeiten zählen erotische Spiel- und Kurzfilme wie „Monamour“, „Kick the Cock“ und „Hotel Courbet“.














