„Es ist eine Touristenfalle“
Das halten Verona-Besucher wirklich von Julias Balkon
01.11.2026 – 07:30 UhrLesedauer: 3 Min.
William Shakespeare war wohl nie in seinem Leben in Italien, und die Protagonisten seiner weltberühmten Tragödie sind frei erfunden. Dennoch zieht ein Ort in Italien „Romeo und Julia“-Fans an wie ein Magnet.
Verona, die Stadt der Liebe. Jedes Jahr pilgern Millionen Romantiker hierher, um den Balkon zu sehen, von dem aus William Shakespeares Heldin Julia ihrem Romeo ihre Liebe gestand. Viele sind fest davon überzeugt, dass die tragische Geschichte auf wahren Begebenheiten beruht. Die Realität ist sehr viel nüchterner.
Das Haus gehörte einst der Familie Dal Cappello, deren Name eine gewisse Ähnlichkeit mit Shakespeares fiktiven Capulets aufweist. Das war es dann aber auch schon mit der historischen Verbindung. In den Jahren 1939 und 1940 entschied die Stadt Verona, den Mythos kurzerhand zur Realität zu machen. Das Haus wurde restauriert und mit einem Balkon ausgestattet, wie er im Theaterstück beschrieben wird. Romeo und Julia haben hier nie gestanden. Die Touristen hält es trotzdem nicht davon ab, ihn sehen zu wollen. Viele werden bitter enttäuscht, wie die Rezensionen auf Google Maps zeigen. Hier eine Auswahl.
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„Eine Statue, der wildfremde Menschen an die Brust fassen“
RB: „Also 5 Euro pro Person Eintritt für einen Balkon, der noch nicht mal ein Original ist, ist echt schon frech. Dann steht man noch stundenlang dort an.“
Sascha Hübers: „Man steht in der Schlange, um einen Balkon zu sehen, der zu einer Geschichte gehört, die es nie gab – und der Balkon selbst wurde erst Jahrhunderte später gebaut. Dazu eine Statue, der den ganzen Tag wildfremde Menschen an die Brust fassen, als wär’s ein Glücksbringer im Freizeitpark. Romantik? Fehlanzeige. Eher eine Mischung aus Disneyland und Gruppentherapie für über-romantisierte Touristen.“
Anna Maniel: „Leider muss man sagen man zahlt viel Geld, um unfreundlich angegangen zu werden vom Personal. Durchweg eher negative Erfahrungen zu machen und dafür dann 12 Euro zu bezahlen und ewig zu warten, kann man das auch weglassen.“

Karina Hamann: „Dieser Ort war schon immer frei zugänglich. Jetzt sind da ein paar Filmplakate aus verschiedenen Verfilmungen an die Wand geklebt und man kann die Kostüme sehen. Dafür bezahlt man dann einen Haufen Geld. Außerdem kann man keine Briefe mehr schreiben. Der ganze romantische Flair ist dahin.“














