Lanz zu „undankbaren Ossis“
„Es ist ein kontinuierliches Diffamieren des Ostens“
22.10.2026 – 03:04 UhrLesedauer: 3 Min.
Der Besser-Wessi und der Jammer-Ossi sind wieder da, konstatiert Markus Lanz. Dirk Oschmann erklärt die AfD-Wahlerfolge im Osten auch mit westdeutscher Arroganz.
Die politische Spaltung Deutschlands ist nach Ansicht des Publizisten Dirk Oschmann durch die Überheblichkeit des Westens mitverursacht. „Es ist ein kontinuierliches Diffamieren und Ausschließen und Diskriminieren des Ostens“, sagte der Bestsellerautor („Der Osten: eine westdeutsche Erfindung“, 2023) am Mittwochabend bei „Markus Lanz“. Seit Jahrzehnten werde den Ostdeutschen vorgehalten, sie seien „das Andere“, defizitär, zurückgeblieben. Das habe auf Dauer einen gewaltigen Effekt.
Die Gäste
- Dirk Oschmann, Literaturwissenschaftler
- Reinhard Bingener, Journalist (FAZ)
„Bald 40 Jahre nach der Wiedervereinigung sind sie wieder da: der Besser-Wessi und der Jammer-Ossi – und jetzt neu im Programm auch der Jammer-Wessi“, hatte Lanz die Sendung eingeleitet. Reinhard Bingener von der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ machte anders als Oschmann im Osten ein eher hausgemachtes „Abgrenzungsverhalten“ aus, das zunehmend aggressiv werde.
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Der Journalist verwies auf Äußerungen der BSW-Spitzenkandidatin in Sachsen-Anhalt, Claudia Wittig, das Land solle auf keinen Fall von einem Wessi oder Zionisten regiert werden. Und der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke habe die Westdeutschen als „Deutsch sprechende Amerikaner“ bezeichnet.
„Wehe, wenn die Langmut im Westen endet“ – mit diesem FAZ-Kommentar hatte Bingener im August für Aufsehen gesorgt. Er bekräftigte bei „Lanz“ mit Blick auf den Länderfinanzausgleich seine Feststellung aus dem Artikel: „Dass fortwährend die Nehmer nörgeln und sich die Geber alles gefallen lassen, ist ein Kuriosum.“
Oschmann widersprach in der Dreierrunde, dass es diese Langmut des Westens gegenüber dem Osten jemals gegeben hat. Forderungen, bei unliebsamen Wahlergebnissen den Länderfinanzausgleich zu kippen, bezeichnete der Literaturprofessor von der Universität Leipzig als zutiefst undemokratisch. Von Politikern, Journalisten und Wissenschaftlern werde dem Osten mit Paternalismus begegnet. Das führe bei den Menschen zu einer Kränkung.
„Vermännlichung“ und Überalterung
Oschmann betonte bei „Lanz“, dass 60 Prozent der Wähler bei der Bundestagswahl 2025 nicht für die AfD gestimmt hätten. Trotzdem werde der Osten im Westen plakativ als AfD-Hochburg dargestellt. Die Wahlerfolge der AfD erklärte der Germanist insbesondere mit der Abwanderung junger Menschen und Frauen seit 1945.
Diese eher links wählenden Bevölkerungsgruppen würden heute fehlen. Die Folge: „Vermännlichung“, Überalterung sowie große Unterschiede zwischen Städten und dem ländlichen Raum sorgten für einen deutsch-deutschen Sonderfall, der die Erfolge der AfD ermögliche.
Für deutlichen Widerspruch sowohl von Lanz als auch von Bingener sorgte Oschmann mit einer zugespitzten Formulierung. Er kritisierte zunächst, dass beim Festakt zum Tag der Deutschen Einheit 2025 in Saarbrücken kein Redner aus Ostdeutschland kam. Dies hatte auch Altkanzlerin Angela Merkel (CDU) öffentlich bemängelt. „Der Osten hat Revolution gemacht und der Westen redet darüber. Das ist diskursive Kolonisierung“, sagte der Germanist. „Zu hart“, konstatierten seine beiden Gesprächspartner.














