Offenbar Tempelreste unter Brandenburger Acker
Fanden hier vor 3.000 Jahren Scheiterhaufen-Opfer statt?
16.10.2026 – 12:21 UhrLesedauer: 2 Min.
Archäologen untersuchen Gelände in Brandenburg – und stoßen auf einen sonderbaren Bau, enorm viele Gefäße und große Mengen an Knochen: Sie spekulieren über rituelle Verbrennungen.
Das Bild wird immer klarer: In der Prignitz befand sich offenbar vor rund 3.000 Jahren eine bronzezeitliche Metropole. Das erklärte jetzt nach einem neuen Fund der Chef-Archäologe, der die Ausgrabungen am sogenannten Königsgrab von Seddin leitet. Wie der RBB Grabungsleiter Immo Heske von der Universität Göttingen zitiert, habe sein Team gerade vermutlich einen alten Tempel entdeckt.
Dafür spreche einerseits die unübliche Form: Anders als andere Gebäude in der jüngeren Bronzezeit entspricht der Grundriss des auf einer leichten Anhöhe gelegene Bauwerks nämlich keinem lang gezogenen Rechteck, sondern ist annähernd quadratisch – in einer Größe von etwa elf mal elf Metern. Diese Breite ist erstaunlich: Sie übertrifft sogar die der bereits zuvor freigelegten „Halle des Königs“.
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„Wie in der Illias des Homer beschrieben“
Eine weitere Auffälligkeit macht die Forscher stutzig: Während auf dem ganzen, heute landwirtschaftlich genutzten Gelände bisher nur eine überschaubare Anzahl von Scherben von Schalen und Schüsseln in den Äckern gefunden wurden, kommen nun im Umfeld des mutmaßlichen Tempels „unglaubliche Fundmengen an Keramik zum Vorschein“.

Einige Gefäße würden erstaunlich große Randdurchmesser aufweisen. Das deute darauf hin, dass „sie für besondere Anlässe, etwa für die Darreichung von Speisen und Getränken an größere Menschengruppen, genutzt wurden“.
Zudem wurden ungewöhnlich große Mengen an verbrannten Tierknochen gefunden. „Offenbar wurden hier Tiere in größeren Mengen verspeist und die Knochen danach verbrannt“, mutmaßen die Wissenschaftler in einer Mitteilung. „Es ist auch nicht auszuschließen, dass vollständige Opfertiere bei Zeremonien auf Scheiterhaufen verbrannt wurden, wie es etwa in der Illias des Homer beschrieben wird.“

Das Königsgrab von Seddin
Bisheriges Herzstück der Funde in der Prignitz ist das international bekannte „Königsgrab“, das im Jahr 1899 entdeckt wurde. Es gilt als eine der bedeutendsten Grabanlagen des 9. Jahrhunderts vor Christus und war damals kilometerweit auf einem Grabhügel sichtbar. Der entdeckte Grabschatz ist heute im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel ausgestellt. Zu sehen ist zum Beispiel eine Amphore aus Bronze, die als Urne diente.













