Prozess in Hamburg
„Zeit“-Journalistin widerspricht Landgericht nach Block-Eklat
14.10.2026 – 18:04 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Beschlagnahme von Tonaufnahmen aus dem Podcast „House of Block“ sorgt weiter für Streit. Nun erhebt die verantwortliche Journalistin schwere Vorwürfe.
Die „Zeit“-Journalistin Anne Kunze hat der Darstellung des Hamburger Landgerichts zur Herausgabe von Tonaufnahmen aus ihrer Recherche zum Fall Christina Block widersprochen. Von einer freiwilligen Übergabe könne keine Rede sein, sagte sie dem „Spiegel“. Zugleich verteidigte Kunze ihre Entscheidung, die 15-jährige Tochter der Unternehmerin in ihrem Podcast zu Wort kommen zu lassen.
Am Montag (12. Oktober) hatten Beamte des Hamburger Landeskriminalamts die Herausgabe von Audioaufnahmen aus Kunzes Recherche für den Podcast „House of Block“ verlangt. Das Landgericht hatte zuvor entsprechende Durchsuchungsbeschlüsse erlassen. Nach Darstellung des Gerichts habe die Journalistin das Material freiwillig übergeben.
Kunze sieht das anders. „Mit Freiwilligkeit hatte diese Situation nichts zu tun“, sagte sie dem „Spiegel“. Die Entscheidung sei vergleichbar mit der Drohung gewesen, eine Tür einzutreten, falls der Schlüssel nicht herausgegeben werde.
Journalistin spricht von staatlichem Druck
Nach Kunzes Darstellung hatte sie nur die Wahl, die Aufnahmen auszuhändigen oder Durchsuchungen ihrer Privatwohnung und der Redaktionsräume der „Zeit“ in Hamburg sowie möglicherweise in Berlin zu riskieren. Die Herausgabe sei deshalb eine Folge des „ausgeübten staatlichen Drucks“ gewesen.
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Die „Zeit“ hatte die Aufnahmen versiegelt übergeben und inzwischen Rechtsmittel gegen die Maßnahme eingelegt. Der Verlag sieht darin einen Angriff auf die Pressefreiheit. Hintergrund ist der laufende Strafprozess gegen Christina Block vor dem Hamburger Landgericht. Die Unternehmerin ist angeklagt, die Entführung zweier ihrer Kinder aus Dänemark in Auftrag gegeben zu haben. Sie bestreitet die Vorwürfe.
Kunze verteidigt Aussagen von Block-Tochter
In dem Interview verteidigte Kunze außerdem ihre Entscheidung, Klaras Stimme im Podcast zu veröffentlichen. Die heute 15-Jährige war in der Silvesternacht 2023 gemeinsam mit ihrem jüngeren Bruder Theo aus Dänemark entführt worden.
„Klara hat gesagt, sie wolle Teil des Podcasts sein“, berichtete Kunze. Sie selbst habe zunächst Zweifel gehabt. Das Mädchen habe die Entscheidung jedoch zuvor mit seinem Vater und seiner psychologischen Betreuung besprochen. Auch die frühen Tonaufnahmen habe Kunze ihr noch einmal vorgespielt.
Klara werde in wenigen Tagen 16 Jahre alt. In diesem Alter dürften Jugendliche bereits wählen, Parteien beitreten und ihre Religionszugehörigkeit bestimmen, argumentierte die Journalistin. Klara habe ihr deutlich gemacht, dass sie es leid sei, wenn Erwachsene darüber entschieden, was für sie richtig sei.
Klaras jüngerer Bruder Theo sei dagegen im Podcast „mit keinem Laut zu hören“, stellte Kunze klar.















