Trotz gleicher Krankheit
Welche Therapien Frauen laut Studie seltener erhalten als Männer
22.09.2026 – 18:30 UhrLesedauer: 3 Min.
Eine neue Studie zeigt: Trotz gleicher Erkrankung erhalten Männer und Frauen offenbar nicht immer dieselben Behandlungsangebote.
Eine Operation, ein minimalinvasiver medizinischer Eingriff oder eine bestimmte medikamentöse Behandlung – all das gilt als „aktive“ Therapie, wenn eine Erkrankung schwer oder akut ist. Doch die Chance auf solche Behandlungen hängt offenbar auch vom Geschlecht ab, wie eine neue Forschungsarbeit der University of St Andrews zeigt. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „PLOS ONE“.
Was wurde untersucht?
Für die Studie sichteten Forscher 1.112 Veröffentlichungen aus den Jahren 2018 bis 2023. Übrig blieben 41 Studien, die direkt verglichen, wie männliche und weibliche Patienten medizinisch versorgt wurden. In 38 Studien wurden Krankenakten ausgewertet. Bei 33 davon zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied in der Behandlung: Männer erhielten häufiger „aktive“ Maßnahmen wie etwa eine Bypass-Operation, das Setzen eines Stents oder starke Schmerzmittel, Frauen häufiger zurückhaltende Strategien.
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Dabei gab es in den ausgewerteten Arbeiten so gut wie keine Leitlinie, die eine unterschiedliche Behandlung nach Geschlecht ausdrücklich empfiehlt. Ob die Unterschiede also medizinisch begründet oder Ausdruck ungleicher Versorgung sind, bleibt offen.
Von Herzmedizin bis Notaufnahme
Die ungleichen Angebote fanden sich quer durch die medizinischen Fachbereiche, etwa in der Kardiologie, in der Chirurgie, in der Transplantationsmedizin und in der Notfallversorgung. In einer Studie etwa bekamen Frauen mit Herzschwäche seltener eine hoch spezialisierte Therapie, vor allem dann, wenn das Entscheidungsteam schlecht zusammenarbeitete. In anderen Arbeiten zeigte sich, dass Frauen bei Schmerzen seltener starke Medikamente angeboten bekamen.
Für Studienautor Andrew O’Malley ist das ein Warnsignal: „Für ärztliches Personal sind die Ergebnisse ein Anstoß, zu prüfen, ob eine Behandlung wirklich auf klinischen Gründen beruht und nicht auf Annahmen“, sagt er. Er verweist auf frühere Untersuchungen, in denen Ärzte die Symptome von Frauen häufiger als Angststörung deuteten – und mehr diagnostische Fehler machten, selbst bei eindeutig positiven Testergebnissen.
Warum passiert das?
Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt. Studienautorin Miriam Veenhuizen betont vor allem ein strukturelles Problem: Frauen waren in den vergangenen Jahrzehnten in klinischen Studien unterrepräsentiert. „Es ist wahrscheinlich, dass viele Leitlinien auf Daten beruhen, die überwiegend von Männern stammen“, sagt sie. Wenn aber vor allem männliche Patientendaten in Studien einfließen, bilden sie nicht immer die Realität von Frauen ab – etwa was typische Symptome, Risiken oder das Ansprechen auf Therapien angeht.
Bemerkenswert ist für die Forscher auch, wie einseitig bisher geforscht wurde: Über denselben Zeitraum wurden 551 Studien zu geschlechtsspezifischen Ungleichheiten bei Ärzten und anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen veröffentlicht – aber nur 41 Arbeiten dazu, wie unterschiedlich Patientinnen und Patienten behandelt werden.














