Chiffre aus dem Ersten Weltkrieg
„Unlösbar“: Deutscher Funkspruch nach 107 Jahren entschlüsselt
22.09.2026 – 07:20 UhrLesedauer: 2 Min.
Über ein Jahrhundert lang blieb ein deutscher Funkspruch von 1918 ungelöst. Nun will ein Blogger ihn mithilfe von KI entschlüsselt haben. Britische Logbücher stützen das Ergebnis.
Ein KI-Modell des US-Unternehmens OpenAI hat nach Angaben eines Bloggers einen deutschen Funkspruch aus dem Ersten Weltkrieg entschlüsselt. Die Nachricht vom 27. November 1918 galt bislang als unlösbar. Veröffentlicht hat die Auflösung ein Autor in seinem Blog, wo er unter dem Namen „prinz“ schreibt. Die Lösung stammt demnach vom Modell GPT-6 Astra.
Der entschlüsselte Text lautet laut dem Beitrag: „EIN ENGLISCHER KREUZER EINLIEG X SEWASTOPOL X S4STEN X EIN GESCHWADER DER X ALLIIERTEN FOLGT 26STEN X“. Die X trennen die einzelnen Satzteile. Sinngemäß meldet der Funkspruch, ein englischer Kreuzer sei in Sewastopol auf der Krim eingelaufen, ein alliiertes Geschwader folge am 26. Beim Ankunftstag des Kreuzers steht an der Stelle der ersten Ziffer ein S, lesbar ist nur die 4.
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Verschlüsselt mit Buchstabenpaaren
Die Nachricht gehört zu einer Serie deutscher Funksprüche, die das Militär mit dem sogenannten ADFGVX-Verfahren verschlüsselte. Dabei wird jeder Buchstabe und jede Ziffer zunächst über eine Tabelle durch ein Paar aus den Buchstaben A, D, F, G, V und X ersetzt. Anschließend werden diese Zeichen nach einem geheimen Schlüsselwort spaltenweise umsortiert. Ohne das Schlüsselwort lassen sich die Paare kaum wieder zusammensetzen.
Hunderte solcher Funksprüche sind laut „prinz“ bereits entschlüsselt, unter anderem vom Kryptologen George Lasry. Auch eine Liste der damals verwendeten Schlüssel ist bekannt. Mehr als ein Dutzend Nachrichten blieb jedoch ungelöst. Die nun entschlüsselte steht auf einer Liste von 50 ungelösten Chiffren, die das deutsche Wissenschaftsportal scienceblogs.de führt.
GPT-6 Astra verwendete das Schlüsselwort „TRUPPENVERSCHIEBUNG“. Es ist in einem Buch von J. Rives Childs über deutsche Militärchiffren der Jahre 1914 bis 1918 dokumentiert, dem auch der verschlüsselte Funkspruch entnommen ist. Nach der Vermutung der KI scheiterten frühere Versuche daran, dass dieses Schlüsselwort erst ab dem 9. Dezember 1918 in Gebrauch gewesen sei. Der Funkspruch wurde jedoch fast zwei Wochen früher gesendet. Der Grund für diese Abweichung sei unbekannt.
Logbuch stützt den Inhalt
Um das Ergebnis zu prüfen, glich die KI den Klartext mit historischen Aufzeichnungen ab. Laut dem Logbuch des britischen Kreuzers HMS „Canterbury“ erreichte das Schiff Sewastopol am 24. November 1918. Zwei Tage später vermerkt das Logbuch die Ankunft eines alliierten Geschwaders. Beide Angaben passen zur entschlüsselten Meldung.
Der Befund beruht bislang allein auf dem Blogbeitrag. Eine Prüfung durch Fachleute für historische Chiffren erwähnt der Autor nicht. Er schreibt, ihm sei keine frühere Entschlüsselung dieser Nachricht bekannt. Das Ergebnis stuft er selbst als kleinen Fund ein, der jedoch die Fähigkeiten des Modells veranschauliche.















