„The Blood of Dawnwalker“ im Test
Vampir in Teilzeit: Dieses Rollenspiel kennt kein Pardon
18.09.2026 – 09:59 UhrLesedauer: 4 Min.
Tagsüber Mensch, nachts Vampir – und nur 30 Tage Zeit. „The Blood of Dawnwalker“ macht aus seiner tickenden Uhr ein cleveres Spielprinzip.
Karpaten, 14. Jahrhundert: Im Sangora-Tal haben Krieg, Pest und Tyrannen schlimm gewütet. Doch damit nicht genug. Die Menschen dort müssen im düsteren Action-Rollenspiel „The Blood of Dawnwalker“ noch eine weitere Plage erleiden: Vampire.
Protagonist der Story ist Coen. Als Arbeiter in einer Mine hat er viel Silber aufgenommen und leidet unter Argyrie, einer irreversiblen, graubläulichen Verfärbung der Haut. Er lebt mit seinem Vater Pieter, seiner kranken Mutter Esme, seiner Schwester Lunka und seinem Schwager Lazar im Ort Laslea.
Blut als Steuer, Schwache und Kranke als Opfer
Das Tal regiert Knyaz Brencis von Burg Greifberg aus – ein Vampir. Er erlässt den Menschen die üblichen Steuern und Abgaben, verlangt dafür aber während der monatlichen Messe Blut von jedem einzelnen, Schwache und Kranke werden als Opfer getötet. Die Menschen leben in Angst und Schrecken.
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Als Coen sich weigert, sein Blut zu geben, versuchen Brencis und seine Leute, ihn mit Gewalt zu einem der ihren zu machen. Wärend Brencis denkt, dass Coen als Vampir gestorben ist, erwacht dieser tatsächlich als Dawnwalker, zu Deutsch Dämmerblut. Das ist jemand, der Mensch und Vampir zugleich ist – tagsüber Mensch und nachts Vampir. Coens Familie wird derweil von Brencis in seine Burg verschleppt, wo sie in 30 Tagen geopfert werden soll.
Wenn die Uhr tickt und endlich die Nacht hereinbricht
Die verstreichende Frist ist das Herz des Spiels und vom polnischen Entwicklerstudio Rebel Wolves in ihrem Game-Debüt wirklich clever konzipiert. Der Countdown läuft aber nicht in Echtzeit ab. Zeit vergeht nur, wenn man Quests abschließt, Ziele erreicht oder zwischen Tag und Nacht wechselt. Aktivitäten sind außerdem mit einem Sanduhr-Symbol ausgezeichnet, das quasi den Zeitpreis anzeigt, damit man vorher weiß, worauf man sich einlässt.
Tag und Nacht sind zwei getrennte Spiele, die sich einen Speicherstand teilen. Tagsüber ist die Ausdauer schneller weg, als einem lieb ist. Dabei ist Coens Schwertkampf nie vom Rollenspiel-Teil abgetrennt. Nachts kippt das Spiel ins Übernatürliche: Coens Sinne schärfen sich. Der Teilzeit-Vampir kann den Flügelschlag eines Insekts im dunklen Raum hören, draußen aus weiter Entfernung einen Herzschlag wahrnehmen oder Orte erreichen und betreten, die tagsüber unerreichbar bleiben.
Große Versuchung, große Stärke – bevor die Kräfte schwinden
Eine weitere Herausforderung: Coen braucht Blut. Und man muss ganz allein entscheiden, wie weit er geht. Ob er dafür Menschen tötet, bewusstlos zurücklässt oder sich lieber an Tiere hält. Die Versuchung ist jedenfalls groß. Denn die Kräfte bleiben nur – oder werden sogar stärker – wenn man Blut trinkt.
Auf der Karte ist die ganze Tal-Region von Beginn an sichtbar. Allerdings ist sie nicht wie eine Checkliste gestaltet. Wer eine Gegend betritt, erfährt vielleicht, dass dort etwas vor sich geht, aber nichts Genaueres. Den Rest muss man selbst kombinieren, indem man Hinweisen und Tratsch nachgeht oder Särge, Lager, Nester, Spukorte oder Krypten in Augenschein nimmt, bis sich alles zu einem Bild zusammensetzt.














