Neuer Rekord in Japan
Hundertjährige: Warum werden manche Menschen so alt?
Aktualisiert am 15.09.2026 – 18:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Die Menschen in Japan erfreuen sich einer hohen Lebenserwartung. Der „Klub der Hundertjährigen“ feiert einen Rekord. Doch zugleich schrumpft die Bevölkerung des Landes.
In Japan ist die Zahl der Hundertjährigen erstmals über die Rekordmarke von 100.000 Menschen gestiegen. Insgesamt 107.677 Menschen im Alter von 100 oder mehr Jahren zählt die viertgrößte Wirtschaftsnation der Welt inzwischen. Das seien 7.914 Menschen mehr als ein Jahr zuvor, gab das Gesundheitsministerium in Tokio bekannt. Damit zählt Japan zu den Ländern mit den meisten Hundertjährigen weltweit.
88 Prozent aller Hundertjährigen sind Frauen
Die Zahl der Hundertjährigen steigt seit nunmehr 56 Jahren jedes Jahr an. Als Japans Gesundheitsministerium im Jahr 1963 mit der Statistik begann, zählte das Inselreich gerade einmal 153 Hundertjährige. 25 Jahre später waren es dann schon mehr als 10.000. Nach der jüngsten Erhebung sind rund 88 Prozent aller Hundertjährigen Frauen.
Allgemein leben die Menschen in Japan mit am längsten. Bei Frauen beträgt die Lebenserwartung rund 87 Jahre, bei Männern rund 81 Jahre. Im Durchschnitt liegt sie damit bei 85,7 Jahren. Nur in Monaco (86,7), San Marino (Kleinstaat in Mittelitalien, 86,0) und Hongkong (Sonderverwaltungszone in China, 85,9) haben Menschen eine höhere Lebenserwartung.
Warum werden manche Menschen so alt?
Gesundheitsminister Kenichiro Ueno sagte vor der Presse: „Wir freuen uns, dass viele Menschen dank der Fortschritte in der Medizintechnik länger leben und aktiv bleiben.“
Aber die medizinischen Fortschritte sind nicht der einzige Grund, warum manche Menschen so alt werden. Auch wenn Forscher bisher nicht eindeutig erklären können, wie sich besonders alte Menschen von anderen unterscheiden, gibt es doch Hinweise. So scheinen Hundertjährige nicht einfach länger mit Krankheiten zu leben. Im Gegenteil: Sie erkranken insgesamt seltener und später. Der Körper scheint länger widerstandsfähig gegen typische altersbedingte Erkrankungen zu bleiben. Auch das Immunsystem bleibt länger aktiv.
Welche Faktoren diese Widerstandskraft ermöglichen, ist noch nicht geklärt. Wahrscheinlich spielen Gene, Lebensstil und Umwelt zusammen. So ist die Ernährung von Hundertjährigen meist pflanzenbasiert, was das Risiko für klassische Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Außerdem sind die Hundertjährigen oft gut sozial integriert, kommunikativ und emotional stabil.
Japan altert und schrumpft
Zugleich aber schrumpft Japans Bevölkerung angesichts niedriger Geburtenraten und einer im internationalen Vergleich geringen Einwanderung im Rekordtempo: Die Zahl der Japanerinnen und Japaner sank zu Jahresbeginn erstmals seit 42 Jahren unter die Marke von 120 Millionen auf rund 119,7 Millionen Menschen. Innerhalb nur eines Jahres schrumpfte die Bevölkerung des Landes um 917.000 Einwohner – das entspricht etwa der Einwohnerzahl einer Großstadt.
Die Kosten für die soziale Sicherung in Japan steigen aufgrund der rückläufigen Geburtenrate und der alternden Bevölkerung von Jahr zu Jahr an und belasten die öffentlichen Finanzen. Und das in einem Land, das ohnehin schon die mit großem Abstand höchste Staatsverschuldung unter den Industrieländern hat.















