Standort soll Verteidigungsbranche dienen
Volkswagen will Werk in Osnabrück verkaufen
Aktualisiert am 07.09.2026 – 11:34 UhrLesedauer: 3 Min.
Das Werk in Osnabrück blickt auf eine lange Geschichte zurück. Jahrelang wurde dort das Käfer-Cabrio gebaut, zuletzt noch das T-Roc Cabrio. In Zukunft werden es Waffen sein.
Das VW-Werk Osnabrück soll mit Rüstungsaufträgen eine Zukunft bekommen. Volkswagen, das Land Niedersachsen und der Investor Aurelius haben Eckpunkte für einen Verkauf vereinbart, wie aus einer Mitteilung hervorgeht. Nach dem Ende der Autoproduktion 2027 soll der Standort schrittweise zu einem Kompetenzzentrum für Sicherheits- und Verteidigungslösungen entwickelt werden.
Der Plan sieht vor, dass Aurelius als Mehrheitseigentümer gemeinsam mit dem Land die Volkswagen Osnabrück GmbH übernimmt. Das Ziel der Transaktion sei, den Standort langfristig zu erhalten. Die jetzt angesteuerte Lösung bietet nach Angaben des Betriebsrats eine Zukunft für knapp 1.400 der derzeit insgesamt 1.800 Beschäftigten. Somit würden rund drei Viertel der Belegschaft eine Anschlussperspektive erhalten.
„Iron Dome“-Hersteller spielt wichtige Rolle
Als erstes Ankerprojekt ist demnach eine Zusammenarbeit mit dem israelischen Rüstungskonzern Rafael vorgesehen. Das Unternehmen produziert Luftverteidigungssysteme und Lenkflugkörper sowie Anlagen für den elektronischen Kampf. Bekannt ist es als Hersteller des „Iron Dome“, mit dem Israel Raketen, Marschflugkörper und Drohnen bekämpft.
Die Kooperation soll den Weg für weitere Partnerschaften und Projekte unter dem Dach der neuen Gesellschaft ebnen. Rafael-Chef Joav Tourgeman teilte mit: „Heute bauen wir eine langfristige industrielle Partnerschaft mit unseren deutschen Partnern auf mit dem Ziel, dass die Technologie vollständig in Deutschland produziert wird, um Deutschland und Europa zu schützen.“

Zunächst werde sich die Zusammenarbeit auf die mögliche Entwicklung und Produktion von Komponenten für Luftabwehrsysteme konzentrieren. Nach VW-Angaben soll die Belegschaft in Osnabrück beim Aufbau der Fertigung und der Industrialisierung eine zentrale Rolle übernehmen.
Die Vereinbarung ist noch kein vollzogener Verkauf, bildet demnach aber die Grundlage für die nächsten Schritte. „Dazu gehören die Festlegung der künftigen Verantwortlichkeiten, die wirtschaftliche und organisatorische Ausgestaltung sowie die Vorbereitung des möglichen Übergangs“, hieß es. Der Vollzug stehe unter dem Vorbehalt abschließender Vereinbarungen, erforderlicher Gremienbeschlüsse und behördlicher Prüfung. Über Einzelheiten werde informiert, sobald belastbare Ergebnisse vorliegen.
Rafael produziert auch das System „Iron Beam“, eine Laserwaffe gegen Ziele in der Luft, und liefert das aktive Schutzsystem Trophy, das anfliegende Raketen und Panzerfäuste zerstören kann und auf dem deutschen Kampfpanzer Leopard verbaut ist. Das Unternehmen geht auf eine 1948 gegründete Forschungseinrichtung des israelischen Militärs zurück.
VW hat Werk von Karmann übernommen
Das Volkswagen-Werk in Osnabrück ist aus dem traditionsreichen Karosserie- und Auftragsfertiger Karmann hervorgegangen. Das Unternehmen baute seit 1949 das Käfer-Cabrio und fertigte später im Auftrag verschiedener Hersteller Nischenmodelle, vor allem Cabrios und Sportcoupés. Zu den Kunden zählten neben Volkswagen unter anderem BMW, Renault, Jaguar, Kia und Mercedes-Benz. Weltweit bekannt wurde Karmann mit dem Karmann Ghia.















