Besser als ihr Ruf
Wie sicher sind Fähren?
31.08.2026 – 11:19 UhrLesedauer: 2 Min.
Fähren gehören in Europa zu den sichersten Transportmitteln überhaupt. Doch je nach Region und Schiff gibt es erhebliche Unterschiede – was Passagiere wissen sollten.
Hunderte Fahrzeuge, mehrere Passagierdecks, offenes Meer: eine Fahrt mit einer Fähre kann respekteinflößend sein. Bilder von Schiffsunglücken wie dem Untergang der „Estonia“ im Jahr 1994 haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt und hinterlassen ein diffuses Unbehagen.
Doch das Bild, das viele im Kopf haben, stimmt so nicht mehr. Zumindest nicht in Europa. Denn Fähren gehören heute zu den am strengsten regulierten Transportmitteln überhaupt. Sie unterliegen internationalen Sicherheitsvorschriften, regelmäßigen Kontrollen und verfügen über gut ausgebildete Besatzungen. Wer in Europa mit der Fähre reist, kann sich in der Regel gut aufgehoben fühlen. Allerdings gibt es Unterschiede, je nach Route, Region und Schiff. Was Passagiere wissen sollten.
Europäische Fähren: streng reguliert und sicher
Fähren unterliegen dem internationalen Solas-Abkommen (Safety of Life at Sea), das detaillierte Anforderungen für Bau, Wartung und Betrieb vorschreibt. Dazu gehören ein Mehrkammersystem im Rumpf, das die Schwimmfähigkeit auch bei Beschädigungen aufrechterhält, automatische Brandschutzanlagen auf allen Decks sowie computerbasierte Trimm- und Ballastsysteme, die das Schiff auch bei schwerem Seegang stabil halten.
2023 hat der Rat der Europäischen Union die Sicherheitsanforderungen für sogenannte Ro-Ro-Fahrgastschiffe – also Fähren, auf die Fahrzeuge direkt auf- und abfahren können – noch einmal verschärft. Die neue Richtlinie sieht verbesserte Stabilitätsanforderungen vor und reagiert damit auf Erkenntnisse aus vergangenen Seeunfällen. Auch die Anforderungen für den Flottenzugang bestehender Schiffe wurden strenger gefasst.
Wo es gefährlich werden kann
Ganz anders sieht die Lage außerhalb Europas aus. In Entwicklungsländern gehören Fähren zu den gefährlicheren Verkehrsmitteln. Schlechte Wartung, überalterte Schiffe, Überladung und fehlende oder mangelhafte Rettungsmittel führen dort jedes Jahr zu schweren Unglücken. Wer also mit der Fähre in Regionen außerhalb Europas reist, sollte sich vorab genau informieren.
Eine Besonderheit sind Schnellfähren und Katamarane. Sie nutzen Zweirumpf-Technologie, um die Fahrtzeit gegenüber herkömmlichen Schiffen deutlich zu verkürzen, und befördern in der Regel nur Passagiere oder eine begrenzte Anzahl von Fahrzeugen. Der Vorteil: Sie sind schnell. Der Nachteil: Bei rauem Wetter kann die Fahrt deutlich unruhiger sein als auf einer klassischen Fähre. Wer empfindlich auf Seegang reagiert, sollte das bei der Wahl der Verbindung berücksichtigen.
Was Passagiere selbst tun können
Einen eigenen TÜV gibt es für Fähren nicht. Wer sich vorab informieren möchte, kann auf den Webseiten der Reedereien nach Angaben zum Alter des Schiffes und zur Sicherheitsausstattung suchen. Das ist allerdings nur ein Anhaltspunkt zur ersten Orientierung, denn nicht immer ist ersichtlich, welches Schiff tatsächlich auf der gebuchten Route eingesetzt wird.














