Staatsschulden steigen weltweit
Wirtschaftsweiser warnt vor globaler Krise
Aktualisiert am 19.08.2026 – 11:53 UhrLesedauer: 3 Min.
Steigende Renditen an den Anleihemärkten schüren weltweit Sorgen. Ein führender Wirtschaftsexperte sieht die globale Stabilität der Staatsfinanzen in ernster Gefahr.
Der Wirtschaftsweise Gabriel Felbermayr sieht in den steigenden Renditen an den Anleihenmärkten ein Warnsignal. „Man muss sich um die Stabilität der globalen Anleihemärkte Sorgen machen“, sagte das Mitglied im Sachverständigenrat Wirtschaft am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Das Schuldenmachen sei nun überall deutlich teurer. „Aber nicht nur das: Die Gefahr einer größeren globalen Staatsschuldenkrise ist aktuell sehr hoch.“
Die Rendite der deutschen Bundesanleihe mit zehnjähriger Laufzeit ist in den vergangenen Tagen mehrfach auf den höchsten Stand seit Mai 2011 gestiegen: Sie legte bis auf rund 3,27 Prozent zu. Steigende Renditen sind für Finanzminister Lars Klingbeil eine schlechte Nachricht, da sie die Aufnahme neuer Schulden verteuern und den Spielraum für andere Ausgaben wie Investitionen oder Sozialleistungen einschränken.
EZB könnte zu höheren Zinsen gezwungen sein
„In Summe muss man sich mehrfach Sorgen machen“, sagte Felbermayr, der mit dem Sachverständigenrat die Bundesregierung berät. Erstens über zunehmende Instabilitäten auf den globalen Anleihemärkten, zweitens über steigende Kosten der Staatsverschuldung weltweit – aber auch in Deutschland. Drittens über höhere Fremdkapitalkosten in der gesamten Wirtschaft, die der Konjunktur schadeten.
Als ein Auslöser des globalen Renditeanstiegs gilt die Sorge um eine Eskalation des Konflikts im Nahen Osten. Anleger befürchten, dass ein längerer Krieg die Energiepreise und damit die Inflation hochhalten könnte. Dies könnte etwa die Europäische Zentralbank (EZB) zu weiteren Zinserhöhungen zwingen, um die Teuerung zu bekämpfen.
Felbermayr verwies zudem auf die gemeinsame Intervention der amerikanischen und japanischen Notenbanken als Reaktion auf die schnelle Abwertung des Yen bei gleichzeitigem Anstieg der Renditen japanischer Staatsanleihen. Seit Anfang 2022 stiegen die langfristigen Zinsen in Japan, die lange Jahre bei null lagen, sehr deutlich – mit einer Beschleunigung im ersten Halbjahr 2026. „Das Vertrauen, dass ein Land mit extrem hohen Staatsschulden mithilfe geeigneter Operationen der Notenbank die langfristigen Zinsen niedrig halten kann, ist weg“, sagte Felbermayr. „Der Grund ist im Kern, dass am Ende solche Maßnahmen doch immer inflationär wirken.“ Das treibe auch anderswo die Zinsen auf Staatsanleihen – und damit auch auf langfristiges Fremdkapital für Unternehmen und Immobilienkäufer nach oben.
US-Haushalte sind tief verschuldet
„Die USA sind besonders verwundbar, weil hier – anders als in Japan oder der Euro-Zone – nicht nur der Staat massiv und zunehmend verschuldet ist“, sagte der Österreicher. Auch der Unternehmenssektor – nicht zuletzt wegen der schuldenfinanzierten KI-Investitionen – und die privaten Haushalte stünden dort tief in der Kreide. Der gesamte Bruttoauslandsschuldenstand der USA mache mittlerweile etwa 200 Prozent der Wirtschaftsleistung aus. „Es gibt keine Anzeichen auf Verbesserung dieser Situation, ganz im Gegenteil“, sagte Felbermayr. „Daher erwarten Marktteilnehmer höhere Inflation und eine Verschiebung der Zinskurve nach oben.“















