Hollywood-Erfindung
Darum strömen Fans heute in dieses Café in Casablanca
Aktualisiert am 16.08.2026 – 07:25 UhrLesedauer: 3 Min.

Rick’s Café gehört zu den berühmtesten Orten der Filmgeschichte – und doch hat er lange Zeit nicht existiert. Erst Jahrzehnte später wurde aus der Illusion Wirklichkeit.
„Schau mir in die Augen, Kleines“, sagt Rick Blaine, gespielt von Humphrey Bogart, zu Ilsa Lund, gespielt von Ingrid Bergman, im legendären Filmklassiker „Casablanca“. Rick betreibt in der marokkanischen Hafenstadt ein nobles Etablissement: „Rick’s Café Américain“.
Die Bar, zugleich Café, Restaurant und illegales Casino unter einem Dach, gehört zu den berühmtesten Schauplätzen der Filmgeschichte. Doch Moment: Wenn Sie glauben, dass es Rick’s Café damals in Casablanca wirklich gegeben hat, liegen Sie falsch. Die Filmcrew hat Marokko nie betreten. Und trotzdem können Sie heute genau dort zu Abend essen. Wie das möglich ist, ist mindestens genau so spannend wie der Film selbst.
Vom Filmset zum echten Café
Der Drehort war nur eine Kulisse und die Handlung Fiktion. „Casablanca“ entstand 1942 mitten im Zweiten Weltkrieg vollständig in den Warner Bros. Studios in Hollywood. Rick’s Café wurde dort ausschließlich als Filmkulisse aufgebaut – und nach den Dreharbeiten sofort wieder abgerissen.
Jahrzehntelang reisten Filmfans nach Casablanca, um das berühmte Café zu besuchen – und wurden enttäuscht. Erst 2004 machte die ehemalige US-Diplomatin Kathy Kriger die Hollywood-Kulisse zur Realität. Sie kaufte ein Riad-Herrenhaus aus den 1930er-Jahren direkt an der Stadtmauer der historischen Altstadt (arabisch: Medina) von Casablanca und ließ das Café möglichst originalgetreu nachbauen.
Riad-Herrenhaus
„Riad“ ist arabisch und bedeutet „Garten“ – es handelt sich um eine traditionelle marokkanische Bauform, bei der sich das gesamte Gebäude um einen zentralen Innenhof oder Innengarten herum anordnet ist.
Die Inneneinrichtung entwarf der amerikanische Innenarchitekt Bill Willis, der traditionelles marokkanisches Handwerk mit westlicher Eleganz verband.
Im Mittelpunkt des Restaurants steht heute ein originales französisches Pleyel-Klavier aus den 1930er-Jahren. Auch ein Roulette-Tisch gehört zur Ausstattung – allerdings nur als Dekoration, denn aus rechtlichen Gründen wird dort nicht gespielt. Im Obergeschoss läuft der Hollywood-Klassiker „Casablanca“ ununterbrochen auf einer Leinwand.
Um den Nachbau zu finanzieren, gründete Kriger eigens die Aktiengesellschaft „The Usual Suspects S.A.“ – benannt nach dem berühmten Filmsatz „Verhaften Sie die üblichen Verdächtigen!“. Rund 40 Investoren aus den USA und Marokko beteiligten sich an dem Projekt. Der Bau kostete rund eine Million US-Dollar.
Warum Kriger Rick’s Café Wirklichkeit werden ließ
Warum sie diesen außergewöhnlichen Traum verwirklichte, erklärte Kathy Kriger später selbst. Nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 und dem Beginn des Irak-Kriegs sorgte sie sich um das beschädigte Ansehen der USA in der arabischen Welt. Sie verließ den diplomatischen Dienst und wollte mit Rick’s Café ein privates Zeichen für Toleranz, Gastfreundschaft und den Dialog zwischen den Kulturen setzen.
Für Kriger stand Casablanca wie kaum ein anderer Film für Menschlichkeit und Selbstlosigkeit. Rick Blaine beginnt die Geschichte als neutraler Cafébesitzer. Als jedoch seine frühere Geliebte Ilsa gemeinsam mit ihrem Ehemann Victor László – einem Widerstandskämpfer gegen die Nationalsozialisten – seine Hilfe benötigt, stellt Rick am Ende deren Freiheit über sein eigenes Glück. Gerade diese Botschaft wollte Kriger mit dem Café lebendig werden lassen.















