Graf war einst Vorsitzender der Grünen Jugend, Herausgeber des von ihm gegründeten „Hanf-Journal“, Mitarbeiter der damaligen Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und von 2016 bis 2021 Landesvorsitzender der Berliner Grünen. Seit 2021 sitzt der gebürtige Bayer, der dem linken Flügel der Grünen zugerechnet wird, im Berliner Abgeordnetenhaus, ist heute dort Fraktionschef.
Im Juli fragte das Umfrageinstitut Infratest dimap für den Sender RBB, für wen sich die Berlinerinnen und Berliner entscheiden würden, könnten sie den Regierenden Bürgermeister direkt wählen. Nur drei Prozent entschieden sich für Graf – Schlusslicht. Stefan Evers von der CDU kam mit elf Prozent auf den ersten Platz. 65 Prozent antworteten mit „weiß nicht“.
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Graf konnte in den vergangenen anderthalb Jahren beobachten, mit welcher Strategie die Bundespartei nach der verlorenen Bundestagswahl 2025 versucht, sich in der Opposition Gehör zu verschaffen. Konstruktiv statt populistisch und schrill, lautete die Marschroute von Partei- und Fraktionsspitze. Und Graf konnte verfolgen, wie man im Südwesten Deutschlands Wahlen gewinnt: Im konservativen Baden-Württemberg holte Cem Özdemir mit einem bürgerlichen Kurs ohne auffällig grünen Anstrich den Sieg.
Vorbild Cem Özdemir
Graf scheint sich von beidem etwas abgeschaut zu haben. In Berlin will er die Grünen, analog zur Bundesebene, als eine verbindende und besonnene Kraft positionieren, die nicht in den Überbietungswettbewerb um die schrillsten Forderungen gehen. Gut für die Debattenkultur im Land, kann man sagen. Langweilig und beliebig, kann man ebenso sagen.
Graf liefert sich außerdem keinen Überbietungswettbewerb mit den Linken. Das sah Anfang des Jahres noch ganz anders aus, das damals beschlossene Wahlprogramm der Berliner Grünen hatte Schlagzeilen gemacht: Am Berliner Flughafen BER sollen Privatjets nicht mehr starten und landen dürfen, der Weiterbau der Stadtautobahn A100 soll gestoppt werden, weniger Privatautos sollen in der Innenstadt fahren. Das Programm gilt natürlich weiterhin, Graf präsentiert es aber nicht in Krawall-Manier.
Er dürfte auch fürchten, mögliche Wählerinnen und Wähler aus der bürgerlichen Mitte zu verlieren, und sich ein mögliches Bündnis mit der CDU nicht verbauen wollen. Der Grüne umwirbt nicht die jungen und hippen Ikkimel-Fans, auf die die Linken abzielen, sondern geht eher in die Mitte. Es gehe ihm darum, dass die Stadt wieder funktioniere, sagt er. „Das klingt vielleicht nicht so sexy“, gesteht auch Graf ein. Er gibt sich aber überzeugt, dass genau das den Menschen in ihrem Alltag helfe, sie wirklich umtreibe.














