Projekt kostet Millionen
Polizei testet bald KI-Kameras in Berlin
03.08.2026 – 12:28 UhrLesedauer: 2 Min.
An zwei bekannten Berliner Brennpunkten soll neue Technik die Polizeiarbeit unterstützen. Gesichter werden dabei nicht erfasst – die KI erkennt etwas anderes.
Die Berliner Polizei startet noch im August ein Pilotprojekt mit KI-gestützter Videoüberwachung am Kottbusser Tor. Das System soll auffällige Bewegungsmuster erkennen und Einsatzkräfte auf mögliche Gefahrensituationen hinweisen, wie die Innenverwaltung mitteilte. Zuvor hatte die „Berliner Morgenpost“ berichtet.
In einem zweiten Schritt soll das System auch an der Warschauer Straße zum Einsatz kommen. Verläuft die Pilotphase erfolgreich, ist eine schrittweise Ausweitung auf weitere kriminalitätsbelastete Orte geplant.
Das Ziel ist eine sogenannte Verhaltens- und Situationserkennung: Die KI wertet Kamerabilder aus und schlägt Alarm, wenn Bewegungsabläufe auf eine Auseinandersetzung oder eine andere ungewöhnliche Situation hindeuten. Auf den Bildschirmen der Einsatzkräfte sind dabei laut Innensenatorin Iris Spranger nur Strichmännchen und deren Bewegungen zu sehen. Gesichter bleiben unkenntlich. „Das Gesicht wird nicht erkennbar sein. Es geht um die Bewegungsabläufe“, erläuterte die SPD-Politikerin. „Wenn jemand zusammengeschlagen wird, sind das ja keine normalen Bewegungsabläufe. Und die KI kann das identifizieren.“
Pilotprojekt kostet Millionen
Die endgültige Entscheidung über das weitere Vorgehen liegt stets beim Menschen: „Die KI weist darauf hin, dass etwas ungewöhnlich sein könnte. Was dann zu tun ist, entscheidet aber ein Mensch“, so Spranger.
Parallel dazu plant die Innenverwaltung den KI-Einsatz auch beim Objektschutz, zunächst am Roten Rathaus und am Dienstsitz der Innenverwaltung in der Klosterstraße. Nach einer Ausschreibung soll bis Ende September feststehen, welcher Anbieter den Zuschlag erhält. Der Testlauf ist für Dezember geplant und soll etwa ein Jahr dauern.
Für die KI-Technik an kriminalitätsbelasteten Orten sind für den Zeitraum 2026 bis 2030 Investitionskosten von rund 2,47 Millionen Euro sowie Betriebskosten von 2,13 Millionen Euro veranschlagt. Für den Objektschutz werden für 2026 und 2027 Investitionskosten von etwa 1,76 Millionen Euro und Betriebskosten von 355.000 Euro erwartet.
Rechtliche Grundlage ist das im Dezember 2025 geänderte Allgemeine Sicherheits- und Ordnungsgesetz. Im März war das Vorhaben im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses diskutiert worden. Damals stand auch ein KI-gestützter Schutz des Abgeordnetenhauses selbst zur Debatte. Nach Protesten von Abgeordneten ist dieser Plan inzwischen vom Tisch.















