Hinter dem Duftklassiker 4711 steht der Mittelständler Mäurer & Wirtz. Der Geschäftsführer spricht im Interview über Duft-Etikette und wehrt sich gegen Kritik.
Im rheinländischen Stolberg, ganz im Westen Deutschlands, stellt Mäurer & Wirtz seit dem 19. Jahrhundert Seifen und Düfte her. Bekannt ist die Firma für traditionsreiche Marken wie 4711 Kölnisch Wasser und Tabac, deren Glanz jedoch im vergangenen Jahrhundert verblasst ist. Trotzdem steht das Unternehmen wirtschaftlich gut da und ist auf Wachstumskurs.
- Mäurer & Wirtz: Die Parfümfabrik hinter 4711 wächst gegen den Trend
Verantwortlich dafür ist auch Stephan Kemen. Der frühere Fußballprofi und Mode-Influencer führt die Parfümfabrik seit 2020 und hat das Geschäft nach einer, wie er sagt, „gnadenlosen Bestandsaufnahme“ umgebaut. Im Gespräch mit t-online spricht er über Marge und Familiengeld – und wird bei der Frage nach Duftzwillingen einsilbig.
t-online: Herr Kemen, können Sie riechen, welches Parfüm wir aufgetragen haben?
Stephan Kemen: Nein, dafür sitzen wir zu weit voneinander entfernt. Aber ich habe einen Test gemacht und herausgefunden, dass ich ein gutes Dufterinnerungsgedächtnis habe. Das heißt, ich kann selbst kleine Unterschiede zwischen Düften ausmachen. Würden Sie einen Duft tragen, den ich kenne, könnte ich diesen erriechen.
Wie viele Parfümspritzer sollte man denn maximal nehmen?
Das kommt auf die Duftkomposition an. Bei schweren Lederdüften würde ich maximal zwei Sprühstöße empfehlen. Aber heute Morgen habe ich einen Zitrusduft aufgetragen und zwölf Mal gesprüht. Ich finde es schwierig, wenn Sie sich so stark parfümieren, dass man es schon riecht, wenn Sie den Raum betreten. Das kann ein zu starker Eingriff in das eigene Umfeld sein.
Und das ist bei zwölf Sprühstößen nicht der Fall?
Bei einem zitrischen Eau de Cologne ist das kein Thema. Oder haben Sie mich gerochen, als ich hereingekommen bin?
Nein, das nicht. Aber es wäre wohl auch schlecht für Ihr Geschäft, wenn Sie sagen würden: „Bitte nur einmal sprühen.“
Wir wollen, dass unsere Konsumenten wiederkommen und sich mit uns wohlfühlen. Es geht uns nicht um das schnelle Geld mit nur einem Produkt, sondern dass unsere Kunden im Laufe des Lebens zwanzig Düfte bei uns kaufen. Das wird aber immer schwerer.

Zur Person
Stephan Kemen (43) ist Geschäftsführer von Mäurer & Wirtz. Vor seiner Karriere in der Kosmetikindustrie spielte er Fußball bei Alemannia Aachen. Nach seinem Ausstieg aus dem Profisport studierte er BWL, arbeitete unter anderem bei L’Oréal, heuerte 2014 bei Mäurer & Wirtz an und stieg sechs Jahre später zum CEO des Familienunternehmens auf.














