An dem Amt rieben sich später noch ganz andere auf. Es gibt Strudel mit stärkeren Untiefen als die Fluten der Oder.
Helmut Schmidt: Der Vater aller Krisenmanager
Stundenlang peitschte der kräftige Wind aus Nordwest und drückte das Nordseewasser weit zurück in die Elbe. Hamburg stand unter Wasser, hunderte Menschen starben. Und Helmut Schmidt bestieg die bundespolitische Bühne.
Offiziell war Schmidt Polizeisenator der Hansestadt. Aber das hinderte ihn nicht daran, die Führung des Krisenmanagements zu übernehmen. Und auch Unerhörtes zu tun. „Unzählige Einheiten der Bundeswehr helfen“, erklärte Schmidt im NDR die Notfallmaßnahmen. Die Bundeswehr im Innern. Das war neu für das Land.
Bald wechselte Schmidt in die Bundespolitik. Zunächst als Verteidigungs-, dann als Finanzminister. 1974 stieg Schmidt zum Bundeskanzler auf, managte Öl- und Wirtschaftskrise und bekämpfte den Terror der linksextremistischen RAF 1977.
Kai Wegner: Nicht nur am Netz gescheitert

Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner holten kurz vor der politischen Sommerpause ein Versäumnis aus dem Januar ein. Nach einem Anschlag auf einen Stromverteiler fiel in weiten Teilen der Hauptstadt über Tage der Strom aus. Und das bei bitteren Minusgraden.
Wegner verabschiedete sich kurzzeitig zum Tennis. Das gab schon zu Jahresbeginn Kritik. Im Juli schließlich holten ihn Ungereimtheiten bei den zeitlichen Angaben zum Handygebrauch ein. Entgegen seiner Behauptungen führte Wegner lange Zeit keine Telefonate. Wegner musste die Spitzenkandidatur seiner Partei für die Abgeordnetenhauswahl im September an seinen Finanzsenator Stefan Evers abgeben.
Formal stolperte Wegner über sein Krisenmanagement. In der CDU war die Unruhe groß, nachdem die Partei in den Umfragen auf Rang vier abgestürzt war. So überließ man Wegner dem freien Fall. Auf die medialen Angriffe reagierte niemand mehr.
So lässt sich an seinem Abgang noch anderes erkennen. Politiker stürzen erst, wenn sie von der eigenen Partei fallengelassen werden.
Bilanz
„In der Krise bewährt sich der Charakter“, soll Helmut Schmidt später erklärt haben. Der Politikwissenschaftler Luuk van Middelaar kommt in seinem Buch „Das europäische Pandämonium“ zur Analyse der europäischen Politik während der Corona-Pandemie noch zu einem anderen Schluss: „In der Krise gelten eigene Gesetze.“














