Oktober 3, 2026 12:40 a.m. CEST

80 Prozent zahlen zu viel

So will Frankfurt gegen überhöhte Mieten vorgehen


02.10.2026 – 16:34 UhrLesedauer: 2 Min.

Wohnhäuser vor der Frankfurter Skyline (Archivbild): Die Stadt setzt sich für neue Wohn-Gesetzgebung ein. (Quelle: Boris Roessler/dpa/dpa-bilder)

Laut einer Stadtanalyse liegen rund 80 Prozent der Mieten über der Vergleichsmiete. Frankfurt fordert jetzt Maßnahmen von der Bundesregierung.

Frankfurt verlangt vom Bundesgesetzgeber, die Empfehlungen des Deutschen Juristentags zur Mietrechtsreform umzusetzen. Laut einer von der Stadt veröffentlichten Analyse zum Mietspiegel 2026 überschritt bei rund 80 Prozent der ausgewerteten Mietverhältnisse die vereinbarte Miete die ortsübliche Vergleichsmiete um mehr als zehn Prozent.

Marcus Gwechenberger (SPD), Dezernent für Planen, Wohnen und Personal der Stadt Frankfurt, begrüßte die Beschlüsse des Juristentags laut Mitteilung und forderte den Bund zum Handeln auf: „Die Bundesregierung sollte die Vorschläge des Deutschen Juristentags jetzt zügig in die anstehende Mietrechtsreform einbringen.“ Er unterstütze die Forderungen nach einer Stärkung des sozialen Wohnungsbaus, einer sozial-ökologischen Bodenpolitik sowie einem deutlich verbesserten Mieterschutz. Daran arbeite Frankfurt bereits.

Juristentag stärkt Mieterschutz

Der 75. Deutsche Juristentag hatte sich auf seiner Tagung vom 16. bis 18. September 2026 in Erfurt mit großer Mehrheit für eine Stärkung des sozialen Mietrechts ausgesprochen. Laut dem Mieterschutzverein Frankfurt sprach er sich dabei unter anderem für mehr Schutz vor Kündigung und Verdrängung, eine Verschärfung der Mietpreisbremse sowie eine Stärkung des sozialen Wohnungsbaus aus. Die Beschlüsse sind nicht verbindlich, gelten aber traditionell als Orientierung für den Gesetzgeber.

Marcus Gwechenberger (SPD), Planungsdezernent der Stadt Frankfurt (Archivbild): Er befürwortet neue Mietregelungen. (Quelle: IMAGO/imago)

Die Zahlen aus der Stadtanalyse zeigen das Ausmaß: Bei 28 Prozent der überprüfbaren Fälle lag die Miete demnach mehr als 50 Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete. Bei weiteren 21 Prozent betrug die Überschreitung zwischen 20 und 50 Prozent.

Frankfurt pocht auf Mietspiegel-Reform

Katharina Wagner, Leiterin des Amts für Wohnungswesen der Stadt Frankfurt, hatte auf dem Deutschen Juristentag nach Angaben der Stadt ein Impulsreferat gehalten. Sie argumentierte dort dafür, Mietspiegel konzeptionell weiterzuentwickeln und gesetzlich zu klären, wie mit nachweislich unzulässigen Mieten verfahren werden soll. Eine wirksame Begrenzung von Mietpreisüberhöhungen und die Wirtschaftlichkeit der Vermietung seien keine Gegensätze, sagte sie; der Paragraph 5 des Wirtschaftsstrafgesetzes verbinde beides – Vermieterinteressen und Aufwendungen für Modernisierungen blieben Teil der Prüfung.

„In Frankfurt erproben wir mit Erfolg ein dialogisches Verfahren beim Paragraphen 5 des Wirtschaftsstrafgesetzes“, sagte Wagner laut Stadtmitteilung. Das Frankfurter Modell habe es nach ihrer Aussage explizit in die Beschlussempfehlungen des Deutschen Juristentags geschafft. Ob der Bund daraus gesetzliche Konsequenzen zieht, ist offen.

Aktie.
Die mobile Version verlassen