Gedächtnisleistung
Sport hilft dem Gehirn bei Schlafmangel so gut wie ein langes Nickerchen
28.08.2026 – 13:18 UhrLesedauer: 2 Min.
Nach einer schlaflosen Nacht kann womöglich schon eine kurze Sporteinheit dem Gehirn helfen, Informationen besser zu behalten – ähnlich gut wie ein längeres Schläfchen.
Eine durchwachte Nacht macht nicht nur müde. Auch die Fähigkeit, neue Informationen aufzunehmen und später abzurufen, leidet darunter. Forscher der McGill University wollten daher wissen, ob sich dieser Effekt kurzfristig abmildern lässt, und verglichen dafür Bewegung mit einer längeren Schlafpause. Nachzulesen sind die Ergebnisse in der Fachzeitschrift „PNAS“.
20 Minuten Sport oder 90 Minuten Schlaf: Beides hilft dem Gedächtnis
An der Untersuchung nahmen 54 gesunde junge Erwachsene teil. Sie blieben unter Laborbedingungen 30 Stunden am Stück wach. Anschließend wurden sie per Zufall einer von drei Gruppen zugeteilt:
- Eine Gruppe fuhr auf einem Ergometer 20 Minuten Rad bei 80 Prozent der maximalen Herzfrequenz,
- eine Gruppe schlief 90 Minuten,
- die Kontrollgruppe machte 20 Minuten auf einem Ergometer Pause (ohne sich zu bewegen).
Danach sahen sich die Teilnehmer Bilder an, die sie sich merken sollten. Drei Tage später wurde geprüft, an wie viele Bilder sie sich erinnern konnten.
Das Ergebnis: Sowohl die Sportler als auch die Teilnehmer mit langem Nickerchen schnitten besser ab als die Kontrollgruppe. Ihre Gedächtnisleistung lag im Durchschnitt etwa 22 Prozent höher. Zwischen Sport und Nickerchen gab es keinen signifikanten Unterschied.
„Unsere Ergebnisse zeigen, dass bereits eine kurze Bewegungseinheit dazu beitragen kann, eine unserer wichtigsten kognitiven Fähigkeiten zu erhalten“, hebt Studienleiter Marc Roig hervor.
Unterschiedliche Wege im Gehirn
Die Forscher untersuchten zusätzlich die Hirnaktivität der Teilnehmer mittels EEG (Elektroenzephalografie). Dabei zeigte sich: Obwohl Sport und Schlafpause ähnlich gut für das Gedächtnis waren, wirken sie offenbar unterschiedlich.
Das lange Nickerchen versetzte das Gehirn in einen Zustand, in dem es neue Informationen leichter aufnehmen konnte. Bewegung dagegen schien dabei zu helfen, die vorhandenen geistigen Ressourcen effizienter einzusetzen. Die Teilnehmer fühlten sich durch den Sport zudem nicht müder als die Kontrollgruppe. Das Nickerchen hatte allerdings den Vorteil, dass die Probanden danach deutlich weniger müde waren.
Kein Ersatz für Schlaf
Die Ergebnisse bedeuten nicht, dass Sport eine durchwachte Nacht ausgleichen kann. Untersucht wurde nur eine bestimmte Gedächtnisleistung nach akutem, extremem Schlafentzug. Zudem war die Studie mit 54 jungen, gesunden Erwachsenen recht klein. Ob sich die Ergebnisse auf den Alltag und andere geistige Leistungen übertragen lassen, müssen weitere Untersuchungen zeigen.
Für Menschen, die trotz Schlafmangels arbeiten müssen, könnte Bewegung dennoch eine praktische Möglichkeit sein. „Mitten in einer Schicht ist ein Nickerchen nicht immer möglich“, sagt Erstautorin Madhura Lotlikar. Bewegung sei jedoch leicht zugänglich, kostengünstig und lasse sich einfach umsetzen. Das mache sie zu einem vielversprechenden Mittel, um geistig leistungsfähig zu bleiben, wenn der Schlaf zu kurz kommt.















