„Besonders bitter“
14-Jährige totgefahren: Urteil löst Verzweiflung aus
Aktualisiert am 15.07.2026 – 11:10 UhrLesedauer: 2 Min.
Eine 14-Jährige wird in den Niederlanden von einem Auto überrollt. Der Fahrer ist schnell gefunden, doch verurteilt wird der Mann aus Hessen nicht.
Sechs Jahre nach dem Unfalltod eines 14 Jahre alten Mädchens in den Niederlanden ist ein Mann aus Deutschland freigesprochen worden. Der heute 33-jährige Mann, der zum Zeitpunkt der Tat als irakischer Asylbewerber in Hessen lebte, trage keine Schuld an dem Unfall, erklärte das Gericht in Haarlem am Dienstag. Die Staatsanwaltschaft hatte hingegen eine Verurteilung unter anderem wegen Fahrerflucht und eine mehrwöchige Haftstrafe gefordert.
Der Tod des Mädchens in der Nacht auf den 25. Juli 2020 hatte große Bestürzung ausgelöst: Die Teenagerin war nach einem Streit von zu Hause weggelaufen. Später in der Nacht entdeckte die Polizei das Mädchen leblos am Rand einer Landstraße zwischen der einstigen Insel Marken und dem Festland nordöstlich von Amsterdam. Laut den Ermittlern war die 14-Jährige von einem Auto überrollt worden und dadurch gestorben.
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14-Jährige soll schon vor dem Unfall auf der Straße gelegen haben
Die Ermittlungen führten schließlich zu dem Mann aus Deutschland. Er habe das Mädchen zwar überrollt, stellte das Gericht fest. Allerdings soll die 14-Jährige bereits zuvor auf der Straße gelegen haben. Wieso, blieb unklar. Der Fahrer gab an, sie nicht gesehen zu haben. Er habe zwar bemerkt, etwas überfahren zu haben, glaubte aber nach eigenen Angaben an ein Tier. Das Gericht sah laut Mitteilung „keinen Grund, an der Aussage des Autofahrers zu zweifeln“.
Der Fahrer soll vor dem Aufprall rund zweieinhalb Sekunden lang auf das Navigationssystem seines Autos geschaut haben. Dies bewertete das Gericht als „nicht unverantwortlich lange“. Das Auto sei zudem nicht schneller als die 80 Kilometer pro Stunde unterwegs gewesen, die am Unfallort erlaubt waren.
Urteil in den Niederlanden: Eltern sprechen von „Ungerechtigkeit“
Auch den von der Staatsanwaltschaft erhobenen Vorwurf der Fahrerflucht erkannte das Gericht nicht an. Der Angeklagte hatte erklärt, er habe zwar bemerkt, dass sein Auto über etwas hinweggerollt sei, jedoch angenommen, dass es ein Tier gewesen sei. Für eine andere Version gab es laut Gericht keine hinreichenden Beweise.
Das Urteil löste bei den Eltern der 14-Jährigen Fassungslosigkeit aus, wie die Zeitung „De Telegraaf“ berichtete. Die verzweifelte Mutter sprach von einem „Weg des Leidens, der Ungerechtigkeit und Unfairness“ und ergänzte: „Wir sind frustriert, dass dies unser verfassungsmäßiger Staat ist.“ Vater und Mutter verließen noch während der Urteilsverkündung den Gerichtssaal. Der Anwalt der Familie bezeichnete das Urteil als „besonders bitter“ für sie. Die Staatsanwaltschaft kündigte nach dem Urteil an, die Begründung genau zu prüfen. Ob Berufung eingelegt werden soll, steht noch nicht fest.















