Zahlen zeigen Entwicklung
Die düstere Seite des Fußballs
02.09.2026 – 08:33 UhrLesedauer: 4 Min.

Während der Fußball-Weltmeisterschaft häufen sich die Fälle von häuslicher Gewalt. Die Dunkelziffer ist enorm, die Gründe für die Zunahme an Vorfällen sind vielschichtig.
Kaum etwas löst in den Menschen eine derart breite Palette an Emotionen aus wie der Fußball. Ekstase, Trauer, Gemeinschaftsgefühl, Angst, Hoffnung, Verzweiflung – oftmals wechselt sich all das innerhalb von nur 90 Minuten ab. Für die meisten Fans überwiegt das Positive. Fußball als schönste Nebensache der Welt ist global betrachtet der beliebteste Sport. Und doch hat er auch seine Schattenseite.
Ein Teil davon zeigt sich in einer statistischen Erhebung aus England. „Die Polizeibehörden haben 384 Fälle von häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit der diesjährigen Fußball-Weltmeisterschaft registriert“, teilte das National Police Chiefs‘ Council nach der WM in den USA, Kanada und Mexiko mit. Seit Beginn der Datenerfassung ist das der Höchstwert bei einem Herrenturnier.
Dass es nach Fußballspielen vermehrt zu Fällen häuslicher Gewalt, primär gegen Frauen, kommt, ist keine neue Erkenntnis. Eine Studie aus dem Großraum Manchester, für die acht Jahre lang Daten gesammelt wurden, zeigte schon Anfang 2024 eine solche Zunahme.
Beim Fußball kommen mehrere gefährliche Faktoren zusammen
Nua Ursprung von der Berliner Initiative gegen Gewalt an Frauen erklärt auf Anfrage von t-online die Hintergründe. „Das Problem ist nicht konkret der Fußball, aber der Fußball ist eine Kombination aus verschiedenen Risiken, die häufig Auslöser für Gewalt sind“, sagt sie und zählt mehrere Faktoren auf: „Starke Emotionen, eine ausnahmsweise gesellschaftlich tolerierte aggressivere Grundstimmung unter den Fans und hoher Alkoholkonsum.“
Dass die Polizei während der Fußball-Weltmeisterschaft einen Anstieg an Fällen häuslicher Gewalt verzeichnet, „liegt also höchstwahrscheinlich nicht daran, dass auf einmal Männer gewalttätig werden, die es sonst nie tun, sondern dass alle gleichzeitig die gleichen Auslöser erleben“.
Das gilt für Fußballfans in England gleichermaßen wie für Fußballfans in Deutschland oder auch anderswo. Hierzulande ist die Datengrundlage aber deutlich weniger präzise als in Großbritannien. Die Gründe dafür sind vielfältig. So gibt das Bundeskriminalamt im laufenden Jahr gar keine Statistiken heraus, im Zuge der großen jährlichen Bilanz erfolgt zudem keine Kategorisierung im Kontext des Fußballs.
In Berlin gibt es einen deutlichen Anstieg der Fälle
Ähnlich sieht es in den meisten Bundesländern aus. Anders als in England gibt es keine explizite statistische Erhebung zu häuslicher Gewalt im Zusammenhang mit Fußballspielen. „Eine Recherche im polizeilichen Vorgangssystem würde einen hohen Aufwand verursachen und keine tatsächlich validen Fallzahlen ermöglichen, da der Begriff ‚Weltmeisterschaft‘ nicht katalogbasiert erfasst wird“, teilt das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt auf Anfrage mit.
