Juli 15, 2026 12:10 a.m. CEST

„Sehr, sehr großer Fall“

Senior soll Dutzende Frauen vergewaltigt haben


Aktualisiert am 14.07.2026 – 11:46 UhrLesedauer: 2 Min.

Schlafmittel (Symbolbild): Der Mann soll die Frauen in einen wehrlosen Zustand versetzt haben. (Quelle: Ute Grabowsky/imago-images-bilder)

Was Polizisten auf dem Handy eines 68-Jährigen finden, löst intensive Ermittlungen aus. Einige Vergewaltigungsopfer sind noch nicht identifiziert.

Ein 68-Jähriger aus Berlin soll zahlreiche Frauen vergewaltigt haben. Die Staatsanwaltschaft hat Anklage erhoben, wie die Behörde am Dienstag bekannt gab. Konkret werden dem Mann 22 Fälle von Vergewaltigung in besonders schwerem Fall vorgeworfen. Er sitzt seit Anfang März in Untersuchungshaft. „Das ist ein sehr, sehr großer Fall“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft t-online. Die Anklage umfasse 95 Seiten.

Die Ermittler kamen dem Senior durch im Rahmen eines anderen Verfahrens ausgewertete Chats auf die Spur. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im Stadtteil Friedrichsfelde stellten die Beamten das Handy des Verdächtigen sicher und entdeckten darauf zahlreiche Videos von Sexualstraftaten, die der 68-Jährige begangen haben soll.

Insgesamt soll sich der Mann an 58 Frauen vergangen haben. Angeklagt sind zunächst aber lediglich 22 Taten gegen 14 Frauen. In den anderen Fällen dauern die Ermittlungen laut Behörde noch an. In einigen Fällen konnten die Opfer noch nicht identifiziert werden. 36 weitere Taten gegen eine Frau aus den Jahren 2010 bis 2014 sind zudem bereits verjährt.

Mann machte Frauen wohl mit Schlafmitteln wehrlos

Konkret soll der Mann den Frauen verschiedene Schlafmittel verabreicht haben, um sie in Kombination mit Alkohol zu sedieren. Anschließend soll er sie vergewaltigt haben. Die Frauen, die überwiegend zwischen 50 und 60 Jahre alt sind und aus Berlin und Brandenburg kommen, soll er über Online-Dating-Plattformen und Facebook kennengelernt haben. „Die bereits vernommenen Frauen konnten sich an die mutmaßlichen Taten nicht erinnern und haben von diesen erst im Rahmen der Ermittlungen aufgrund der Tatvideos erfahren“, so die Staatsanwaltschaft. Über seine mutmaßlichen Taten soll er sich mit zahlreichen Chatpartnern ausgetauscht haben.

Der Sprecher erläuterte t-online, keine der Frauen sei zur Polizei gegangen. „Viele empfinden ein Schamgefühl oder schieben den K.-o. auf den Alkohol.“ Um die weiteren Opfer zu identifizieren, werde intensiv in den Profilen der Frauen auf den Dating-Plattformen recherchiert. „Wir ermitteln da in einem schwierigen Umfeld“, erklärte der Sprecher.

Vergewaltigungen: Mann soll voll schuldfähig sein

Ob und wann es zum Prozess kommt, darüber muss nun das Landgericht Berlin entscheiden. Die Staatsanwaltschaft will nicht nur eine Verurteilung erreichen, sondern strebt nach eigenen Angaben auch die Sicherungsverwahrung des Mannes an.

„Bislang liegen keine Anhaltspunkte für eine verminderte oder gar aufgehobene Schuldfähigkeit vor“, hieß es. Zudem hätten sich keine Anzeichen einer psychischen Erkrankung ergeben. Der Verdächtige habe sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert.

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